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Presse-Information

13. Januar 2016

Rukwied: Landwirtschaft zwischen Preisdruck und Zukunftsorientierung Betriebliche Weiterentwicklung nur mit wirtschaftlicher Perspektive möglich

(DBV) „Die deutsche Landwirtschaft ist vielfältig, leistungsfähig, innovativ und im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt. Sie wird von vielen Familienbetrieben getragen. Wir Bäuerinnen und Bauern denken im besten Wortsinne traditionell und nachhaltig: Unser Boden und unsere Tiere sind die Grundlage unserer Arbeit und unseres Einkommens. Gute Leistungen und Qualität erreichen nur gesunde Tiere. Genauso muss die Ernte stimmen – und zwar über Generationen hinweg. Allerdings ist derzeit die wirtschaftliche Situation auf zahlreichen Betrieben besorgniserregend. Ursache hierfür sind die dramatisch gesunkenen Erzeugerpreise, die die Landwirte für ihre Produkte erzielen. Vor allem Schweinehalter und Milchbauern stehen unter massivem Druck.“ Dies hob der Präsident der Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, bei der Eröffnungs-Pressekonferenz zur Internationalen Grünen Woche 2016 hervor.

Die landwirtschaftlichen Einkommen waren im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/2015 im Durchschnitt aller Betriebszweige um 35 Prozent gesunken. Für das laufende Jahr wird ein weiterer Rückgang erwartet. Der ökonomische Druck, so der Bauernpräsident, habe den Strukturwandel verstärkt. Nach zuletzt vorliegenden Angaben für November 2015, ist die Anzahl der Milchvieh und Schweine haltenden Betriebe binnen eines Jahres um rund 4 Prozent zurückgegangen. Auch die Investitionstätigkeit leidet massiv unter der aktuellen Wirtschaftslage. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen sei lediglich halb so groß wie vor zwei Jahren. Die schlechte wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch im Indexwert des aktuellen DBV-Konjunkturbarometers Agrar wider: Dieser hat im Vergleich der zurückliegenden Jahre einen Tiefpunkt erreicht. „Die Stimmung unter den Landwirten ist auf einem ähnlichem Niveau wie zur landwirtschaftlichen Krise 2008/09“, resümierte Rukwied.

„Unsere Bauernfamilien sind dennoch zukunftsorientiert und wollen ihre Betriebe weiterentwickeln: nicht nur entsprechend des technischen und züchterischen Fortschritts, sondern sie wollen auch die Wünsche der Verbraucher und die gesellschaftlichen Anforderungen aufgreifen. Das gilt

im Ackerbau genauso wie in der Tierhaltung. Die Veränderungsbereitschaft ist ungebrochen groß“, stellte Rukwied fest. Ein Beispiel ist die Initiative Tierwohl, die gemeinsam mit den Partnern in der Vermarktungskette zwischen Bauernhof und Ladentheke auf den Weg gebracht wurde. Ebenso zählen dazu das Tiergesundheitsmonitoring, die kontinuierliche Verringerung des Antibiotikaeinsatzes, das Engagement der Landwirte beim kooperativen Umwelt- und Artenschutz und der noch effizientere Einsatz von Ressourcen.

„Doch auch die Partner in der Lebensmittelkette – Verarbeiter, Vermarkter und Lebensmitteleinzelhandel – stehen in der Verantwortung, die Veränderungen organisatorisch und wirtschaftlich umsetzbar zu machen und sie an den Verbraucher zu bringen", stellte Rukwied fest. Die Initiative Tierwohl beispielsweise sei auf großes Interesse und Engagement bei den Schweine- und Geflügelhaltern gestoßen. Jedoch reiche die derzeitige Finanzierung durch den Handel für die gewünschte Beteiligung nicht aus. Mit der Initiative, die Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam ins Leben gerufen haben, werden die Bedingungen für die Nutztierhaltung in bisher nicht gekannter Breite weiterentwickelt. „Wir müssen die Tierhalter auf der Warteliste schnellstens einbeziehen und der Initiative eine langfristige Perspektive geben. Rund 2.700 Schweinehalter stehen noch auf der Warteliste; sie haben bereits in mehr Tierwohl investiert und auf ihren Betrieben umgesetzt. Dafür ist eine substanzielle Aufstockung des Tierwohlbeitrags notwendig", forderte Rukwied.