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Presse-Information

13. Januar 2016

Ernährungsindustrie erzielt schlechtestes Jahresergebnis der letzten vier Jahre – Die Hausfrau am Herd ist eine bedrohte Spezies

Berlin, 13. Januar 2016. „Nach dem schlechtesten Jahresergebnis seit vier Jahren steht die Ernährungsindustrie in Deutschland unter einem enormen Druck. Sinkende Verkaufspreise gefährden die Innovationskraft der Branche und damit mittelfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Politik ist aufgefordert, dieser Situation nicht durch kostenintensive Vorschriften Vorschub zu leisten. Wir benötigen eine branchengerechte Wirtschaftspolitik, die die Bedürfnisse aller Teile der Wertschöpfungskette berücksichtigt. Statt staatlicher Bevormundung müssen die Wachstumspotentiale der mittelständischen Betriebe gefördert und faire Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden. Eine sachliche Verbraucherpolitik und unvoreingenommene gesellschaftliche Bildung können die Wertschätzung für Lebensmittel erhöhen. Wir wollen keine Subventionen, wir wollen gute Politik“, kommentiert der BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff die Branchenbilanz 2015.

Ertragsdruck und Umsatzrückgang belasten die Ernährungsindustrie

Die deutsche Ernährungsindustrie erwirtschaftete 2015 nach ersten Schätzungen einen Umsatz von 166,3 Milliarden Euro und erzielte damit das schlechteste Jahresergebnis der letzten vier Jahre. Der Branchenumsatz sank um 3,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Dazu beigetragen haben die stark sinkenden Verkaufspreise für die Lebensmittelhersteller, so mussten sie im Inland einen Preisverfall von 2,3 Prozent und im Ausland von 2,2 Prozent hinnehmen. Die Absatzmengen gingen um 1,1 Prozent zurück. Auch die Lebensmittelproduktion nahm ab, der saison- und kalenderbereinigte Produktionsindex sank um 1,3 Prozent. Ein weiterer Grund für den Umsatzrückgang ist die anhaltende Stagnation im Inland (-5,7 Prozent) sowie das schwache Exportgeschäft. Zwar konnte die Exportquote auf 33 Prozent gesteigert werden, doch mehr Konkurrenz aus dem Ausland und mehr Marktzugangshürden ließen die Lebensmittelausfuhren um 0,1 Prozent auf 54,3 Milliarden Euro zurückgehen. Damit wurde erstmalig seit 16 Jahren kein Exportwachstum erzielt.

Eine schwache Nachfrage, anhaltend hohe Kosten bei Löhnen, Energie und Rohstoffen, ein zunehmender Konkurrenzdruck sowie schwindende Gewinnspielräume im Auslandsgeschäft steigern den Ertragsdruck für die Ernährungsindustrie und stärken die Verhandlungsmacht des konzentrierten Einzelhandels. Der entstehende Preisdruck treibt die Konsolidierung in der Branche voran. Das Nullwachstum behindert nachhaltige Innovationen.

Die Ernährungsindustrie behauptet sich trotz Konjunktursorgen als verlässlicher und stabiler Arbeitgeber. Durch die hohen Anforderungen an eine moderne, hochwertige, sichere und nachhaltige Produktion steigt der Fachkräftebedarf in der Branche. So wurden 2015 in der Ernährungsindustrie gut 9.000 neue Stellen geschaffen.

Um die Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum zu sichern, müssen neue Absatzmärkte erschlossen, Regulierung und Bürokratie eingedämmt, faire Handelspraktiken gestärkt, Investitionen in mehr Nachhaltigkeit und Qualität gefördert, die Wertschätzung für Lebensmittel erhöht, die gesellschaftliche Aufklärung und Bildung verbessert, bezahlbare Produktionsmittel verfügbar gemacht, Handelshemmnisse abgebaut sowie bilaterale Handelsabkommen mit Wachstumsmärkten wie den USA abgeschlossen werden.

Verbraucher kaufen und kochen weniger

In den letzten drei Jahren ist die Mengennachfrage nach Lebensmitteln im Einzelhandel um 3,8 Prozent gesunken. Der Verbraucher lebt in einem unstrukturierten Alltag unter großem Zeitdruck und ist ständig mobil. Das beeinflusst erheblich sein Koch- und Essverhalten.

Immer weniger Mahlzeiten werden zu Hause eingenommen. Von den 29-49-jährigen nimmt ein Drittel ihr Mittagsmahl zu Hause ein. Nur noch vier von zehn Kindern zwischen drei und fünf Jahren essen mittags zu Hause. Oft fehlt neben der Zeit auch die Motivation zu kochen. Eine aktuelle Studie von BVE und Gfk zeigt: Nur noch 34 Prozent der deutschen Verbraucher kochen regelmäßig, 42 Prozent so gut wie nie. Wird regelmäßig gekocht und bewusst gegessen, dann aber zunehmend hochwertig.

Gesunde Ernährung und Vielseitigkeit gewinnt an Bedeutung

Der Anteil der Konsumenten, die vermehrt bewusst konsumieren, auf eine nachhaltige und gesunde Ernährung Wert legen und dafür auch mehr bezahlen, ist auf 27 Prozent angestiegen. „Immer mehr Verbraucher steigern ihre Wertschätzung für hochwertige Lebensmittel, sie reduzieren nicht nur Abfälle, sondern informieren sich und akzeptieren für mehr Qualität auch höhere Preise. Dieser Trend muss sich verstärken, damit sich eine qualitätsorientierte Lebensmittelproduktion in Deutschland weiter lohnt“, so Minhoff. Das Potential für mehr Wertschätzung ist da, schon heute messen 75 Prozent der Verbraucher dem Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit eine große Bedeutung bei. Immer häufiger werden verschiedene Ernährungstrends und Alternativprodukte für den eigenen Ernährungsstil ausprobiert: So stieg der Umsatz mit laktosefreien Milchprodukten in den letzten vier Jahren um 93 Prozent, der Umsatz mit Fleischersatzprodukten um 88 Prozent. Dabei ist es wichtig, die verschiedenen Ernährungs- und Konsumstile immer besser zu verknüpfen. „Gutes Essen passt sich an“, erklärt Minhoff, „jeden Ernährungstrend kann man heute in der heimischen Küche zelebrieren oder im Supermarkt um die Ecke bequem mitnehmen. Der Umsatz mit Fertiggerichten hat sich in den letzten sechs Jahren fast verdreifacht“.

BVE erprobt Kochgeschick der IGW-Besucher

Viermal täglich kochen renommierte Köche am Stand der BVE und des BLL auf der Internationalen Grünen Woche mit den Besuchern. Anhand von praktischen Beispielen wird gezeigt, wie man aus Frisch- und Fertigprodukten gesunde leckere Mahlzeiten bereitet, wie bei der Zubereitung von Speisen die Anzahl der weggeworfenen Reste reduziert werden kann und welche Regeln für die Einhaltung der bestmöglichen Hygiene beim Kochen gelten. Darüber hinaus hat jeder die Möglichkeit bei einer interaktiven Umfrage zu testen, welcher Kochtyp er ist.

Die Ernährungsindustrie ist mit rund 570.000 Beschäftigten in 5.850 Betrieben der drittgrößte Industriezweig Deutschlands, zuverlässig versorgt sie 81 Millionen Verbraucher mit hochwertigen und preiswerten Lebensmitteln. Mit einer Exportquote von 33 Prozent schätzen zudem Kunden weltweit die Qualität deutscher Produkte.