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Press Release

15. January 2015

Internationale Grüne Woche - Eröffnung - Rede von Christian Schmidt, Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft

Es gilt das gesprochene Wort!

Sperrfrist: Redebeginn

Sehr geehrter Herr Staatspräsident Berzins

sehr geehrter Herr Kommissar Hogan

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,

sehr geehrter Herr Präsident Rukwied,

sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Ingold,

sehr geehrter Herr Vorsitzender Dr. Göke,

Exzellenzen,

sehr geehrte Damen und Herren,

I. Einleitung: Würdigung der IGW

Es ist zu spüren: Die Internationale Grüne Woche ist die Herzkammer der Land- und Ernährungswirtschaft, der Forstwirtschaft und des Gartenbaus, der Wein- und Fischwirtschaft. Hier wird der Takt vorgegeben, von hier gehen Impulse aus und hier entstehen Emotionen: Die Besucherinnen und Besucher interessieren sich für Ihre Arbeit, sie kosten und genießen Ihre Erzeugnisse, sie können hier Ihre Wertschöpfung und Ihren Einsatz hautnah erleben! Die Botschaft ist klar: Es gibt sie noch, die Menschen, die sich ernsthaft für die Arbeit des Landwirts interessieren, für die Arbeit in und mit der Natur!

In den kommenden 10 Tagen dreht sich alles um die Menschen, die mit ihrer Arbeit für unser tägliches Brot sorgen. Dahinter stecken jede Menge Einsatz, Ideenreichtum und harte Arbeit. Ihnen allen spreche ich großen Dank aus! Sie alle heiße ich hier in Berlin bei der 80. Grünen Woche herzlich willkommen.

Besonders freue ich mich, verehrter Herr Staatspräsident, Andris Bēreziņš (sprich: Behrsinsch), Sie und viele Ihrer lettischen Landsleute heute begrüßen zu dürfen. Lettland ist seit 1992 eine feste Größe auf dem Messegelände und bei dieser Jubiläumsausgabe der Grünen Woche das Partnerland.

Mit dem Motto „Nimm Dir Zeit“ verweisen Sie auf Ihre Kultur, Landschaft und Tradition. Lettland hat einiges zu bieten. Reich und tief verwurzelt ist nicht nur die beeindruckende Sängerkunst des Landes. Reich und tief verwurzelt sind auch die kulinarischen Genüsse. Der Wald prägt die lettische Küche: Seine Schätze wie Pilze, Honig oder Beeren dürfen auf keiner Speisekarte fehlen. Nehmen wir uns Zeit, das Angebot zu genießen!

II. GAP/Bürokratie

Als Ratspräsident ist Lettland seit Beginn des Jahres führende politische Kraft auf der europäischen Bühne. Sehr geehrter Herr Kollege Duklavs (sprich: Duhklaws), lieber Janis, ich freue mich auf die Zusammenarbeit und sage meine Unterstützung zu.

Wo stehen wir? Wir sind im Jahr Eins der neuen Agrarpolitik. Sie steht bis 2020 und bietet unseren Landwirten den verlässlichen Rechtsrahmen, den sie benötigen. Die stabilen Direktzahlungen sichern Existenzen. Und die Agrarpolitik macht unsere Landwirtschaft noch nachhaltiger – Sie, liebe Bäuerinnen und Bauern, leisten viel dafür.

Aber gerade deshalb ist es geboten, sie dort zu entlasten, wo es nur irgend möglich ist. Verehrter Herr Kommissar Hogan, lieber Phil, ich bin daher sehr dankbar für Dein klares Bekenntnis: Bürokratieabbau hast Du zum Arbeitsschwerpunkt für das Jahr 2015 erklärt. Überflüssige Bürokratie kostet unsere Landwirte teures Geld. Einfache und praktikable Regeln sind ein entscheidender Schlüssel zur Akzeptanz unserer Politik und für die Leistungsfähigkeit der Betriebe. Packen wir es an!

Ich möchte mit meiner Agrarpolitik verlässliche Rahmenbedingungen für Ihre Arbeit schaffen:

• Damit Sie, liebe Bäuerinnen und Bauern, mit Ihren Betrieben Einkommen erwirtschaften können – auf regionalen wie internationalen Märkten.

• Damit Sie Ihre Betriebe für die nächste Generation, liebe Landjugend, erhalten können.

• Damit Sie weiterhin gute und gesunde Nahrungsmittel für die ganze Bevölkerung liefern können.

• Damit Ihre Arbeit im Einklang mit dem Tier- und Umweltschutz Akzeptanz in der Gesellschaft findet.

• Und damit wir den Schatz unserer vielfältigen regionalen Spezialitäten auch für die Zukunft bewahren können.

Kurzum: Ich möchte Rahmenbedingungen schaffen, die den Werten einer stabilen bäuerlichen Landwirtschaft Perspektive bieten.

Deswegen ein klares Wort: Ich bin für geschützte Herkunftsangaben. Sie geben Verbrauchern Orientierung und helfen, Wertschöpfung in den Regionen zu halten. Wir müssen sie

• national weiter entwickeln,

• europäisch vereinfachen, lieber Phil,

• und international absichern!

III. GFFA: Einklang von Ernährung und Bioökonomie

Meine sehr geehrten Damen und Herren, unsere agrarpolitischen Herausforderungen sind gewaltig. Es geht um nicht weniger, als die Ernährung der stetig wachsenden Weltbevölkerung, die Bewahrung unserer natürlichen Ressourcen und die nachhaltige Erzeugung von Rohstoffen für Produkte und Energie.

Die gute Nachricht ist: Ihre Leistungen sind gefragt wie nie! Wir wollen und müssen diese Nachfrage bedienen!

Das kann nur gelingen, wenn wir uns für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft weltweit und für die globale Ernährungssicherung engagieren, denn: Die Welt ist noch nicht satt.

Ich begrüße daher sehr, dass in diesem Jahr wieder mehr als 60 Ministerinnen und Minister aus allen Teilen dieser Erde unserer Einladung gefolgt sind, um sich beim Agrarministergipfel über nachhaltige Strukturen in der Bioökonomie zu verständigen. Verehrte Kolleginnen und Kollegen Minister, ich heiße Sie besonders herzlich willkommen.

Es gilt das Primat der Ernährungssicherung, sie ist und bleibt die erste und vornehmste Aufgabe der Landwirtschaft. Doch Bioökonomie und Ernährungssicherung sind keine Gegensätze! Im Rahmen des „Global Forum for Food and Agriculture“ wollen wir uns über Rahmenbedingungen für eine sinnvolle, effiziente und nachhaltige Nutzung der Bioökonomie verständigen.

IV. Erwartungen an die Landwirtschaft, Tierwohl

Meine Damen und Herren, Verbraucherinnen und Verbraucher schauen bei Lebensmitteln immer genauer hin. Ich begrüße das. Das Interesse der Menschen ist der Ausgangspunkt für eine sachliche Auseinandersetzung über die Anforderungen an die Branche.

„Sachlich“ ist hier das Zauberwort! Pauschale Schuldzuweisungen und überspitzte Parolen sind kontraproduktiv. Und ich weiß, mancher Landwirt hat das mittlerweile satt – zu Recht!

Die IGW sendet ein klares Signal der Offenheit.

Hier wird Können gezeigt.

Hier wird der Kontakt zu den Kunden gesucht.

Die Besucher machen sich ein eigenes Bild davon, was ein moderner Laufstall für Kühe bedeutet: Platz, Licht, Bewegung. Das ist Innovation, das ist Hochleistungslandwirtschaft - mit dem Tier und für das Tier! Tausende Schüler werden auch dieses Jahr die IGW als Lernort nutzen und genau diese Erfahrungen mit ins Leben nehmen.

Unsere Landwirte arbeiten hart, um den Erwartungen gerecht zu werden. Dabei werde ich sie nicht alleine lassen. Mit der Initiative: „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ nehmen wir Verbraucher, Erzeuger und Zivilgesellschaft mit ins Boot. Ziel ist es, eine gemeinsame Haltung zu Tierwohlstandards bei der Erzeugung von Lebensmitteln zu entwickeln. Klar ist: Mehr Tierwohl gibt es nicht umsonst.

Mein Anspruch ist es, hochwertige und gesunde Lebensmittel für die ganze Bevölkerung zu bieten. Denn es ist eine echte Errungenschaft: Eine ausgewogene und schmackhafte Ernährung ist bei uns kein Luxusgut! Und das soll auch so bleiben!

Und: wir müssen aufpassen: Gerade für kleinere Betriebe können allzu hohe Anforderungen zum Fallstrick werden. Ich will eine bäuerliche Landwirtschaft sichern!

Bei unseren Anstrengungen zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung haben wir auf diesem Weg schon einen echten Meilenstein erreicht. Wir haben erstmals ein System etabliert, mit dem wir den Antibiotikaeinsatz in einem Benchmark Prozess und in enger Kooperation mit den Haltern kontinuierlich reduzieren werden. Aber wir werden die Problematik der Antibiotikaresistenz nicht im nationalen Alleingang bewältigen können. Wir werden das Thema im Rahmen der deutschen G7 Präsidentschaft ansprechen!

V. Ernährung

Meine Damen und Herren, Essen macht Freude! Bei der IGW ist das Programm. Das soll so bleiben. Für mich heißt das, wir dürfen uns den Teller nicht mit Regelungen vollpacken! Wir wollen den Menschen nicht vorschreiben, was und wie sie essen sollen.

Die Menschen wissen diesen Kurs zu schätzen, dass belegt eine aktuelle Umfrage meines Hauses: 89 Prozent der Befragten sehen die Politik gefordert, Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, sich besser zu informieren. Vorschriften für die Ernährung erwarten lediglich 13 Prozent der Befragten von der Politik.

Ernährungspolitik muss vor allem durch Information, Bildungsangebote und Motivation Grundlagen für mündige Verbraucherentscheidungen schaffen. Auf diesem Weg erfahren wir viel Unterstützung. Ich danke den Landfrauen für ihren Einsatz beim aid-Ernährungsführerschein und vielen weiteren Projekten, liebe Frau Präsidentin Scherb.

So fördern wir eine gesunde, eine ausgewogene und eine genussvolle Ernährung – damit Essen auch in Zukunft Freude macht!

VI. Ländliche Räume

Die Internationale Grüne Woche bringt die ländlichen Regionen in die Hauptstadt. Hier sind Landwirtschaft, Gartenbau und die Forstwirtschaft verankert. Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind hier zu Hause. Wir haben nachgefragt: 69 Prozent der Befragten sehen im ländlichen Raum einen attraktiven Ort zum Leben und 85 Prozent schätzen ihn als Erholungsraum!

Das ist auch dem erfolgreichen Wirken der Fischerei an der Küste und im Binnenland, Herr Präsident Ortel, und dem herausragenden Einsatz der deutschen Forstwirtschaft zu verdanken, Herr Präsident zu Guttenberg. Sie haben national und international meine volle Unterstüztung.

Nun, warum sind unsere ländlichen Gebiete geschätzt?

Das ist vor allem das Verdienst der Menschen vor Ort, die sich mit unermüdlichem Engagement für ihre Heimat stark machen. Es sind die Unternehmer und Ehrenamtlichen, es sind die Bauernverbände, es ist die Landjugend und es sind die Landfrauen – um nur einige der vielen wichtigen Akteure zu benennen. Ihnen allen gelten mein Dank und mein Respekt!

Ihr Engagement verdient Unterstützung. Deshalb ergreife ich die Initiative für die ländliche Entwicklung. Ich baue in meinem Haus die Kompetenz für ländliche Räume aus, vernetze und bündele gute Aktivitäten für ländliche Regionen und starte einen Wettbewerb der Ideen.

Ländliche Regionen wollen wir so attraktiv halten, und zwar für alle. Ich betone das besonders, denn wir beobachten, dass gerade Frauen ihrer ländlichen Heimat häufig den Rücken kehren. Dabei brauchen wir sie, die oftmals bestens qualifiziert sind und mit ihrer Kreativität und Tatkraft entscheidend zum Fortkommen der ländlichen Regionen beitragen. Deshalb widmen wir uns im diesjährigen „Zukunftsforums ländliche Räume“ den Frauen in unseren ländlichen Regionen.

VII. Schluss

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Die Internationale Grüne Woche ist die Herzkammer der Land- und Ernährungswirtschaft. Die Anforderungen sind hoch. Aber uns muss nicht bange sein – wir alle können uns hier davon überzeugen: die Branche hat viel zu bieten. Ich lade Sie ein, die Messe intensiv zu nutzen. Besuchen Sie auch die Sonderschau meines Hauses, die unter dem Motto „Hier wachsen Ideen“ über Pflanzenzüchtung informiert. Sammeln Sie Anregungen, tauschen Sie sich aus, halten Sie sich auf dem Laufenden. Und lassen Sie uns dabei nicht vergessen: Landwirtschaft – und damit meine ich das Wirtschaften mit und auf dem Land - schafft Freude und macht satt! Ich wünsche uns allen eine erfolgreiche Messe und erkläre die Internationale Grüne Woche 2015 hiermit für eröffnet!