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Presse-Information

18. Januar 2018

Rede von Bundeslandwirtschaftminister Christian Schmidt zur Eröffnungsfeier der IGW 2018, 18. Januar 2018, 18 Uhr, CityCube Berlin

• Sehr geehrter Herr Kollege Porodzanov

• Sehr geehrter Herr Kommissar Hogan, lieber Phil,

• sehr geehrter Herr Kommissar Andriukaitis, lieber Vytenis,

• liebe Kolleginnen und Kollegen Agrarminister aus allen Teilen der Welt,

• sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,

• liebe Kolleginnen und Kollegen Agrarminister aus den Bundesländern,

• sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen aus den Parlamenten,

• sehr geehrter Dr. Göke,

• lieber Dr. von Boetticher,

• Exzellenzen,

• liebe Gäste der Grünen Woche

• und insbesondere: lieber Präsident Rukwied,

• zusammen mit Ihnen, liebe Bäuerinnen und Bauern,

herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind !

Dieser Abend, die Eröffnung der 83. Internationalen Grünen Woche fällt auf ein besonderes Datum:

Wir schreiben den 18. Januar 2018 - ziemlich genau 18 Uhr.

2018 heißt, das Jahrhundert ist volljährig geworden: 18 Jahre alt! Hoffen wir, dass es jetzt erwachsen ist und sich in Zukunft gut benimmt.

Im Judentum, das unverrückbar zu Deutschland gehört, ist achtzehn der Zahlenwert des hebräischen Wortes Chaj.

Und Chaj bedeutet LEBEN.

Und um das Leben geht es hier schließlich, hier bei der Grünen Woche, hier, wo die Grundlagen des Lebens präsentiert werden: Essen und Trinken!

Wir alle verdanken diese Lebensgrundlagen der harten Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern. Also Ihnen, unseren Gastgebern!

Wir alle verdanken unserer, im Wesentlichen mittelständisch geprägten Lebensmittelwirtschaft, dass wir heute in Deutschland so viele gesunde, sichere und vielfältige Lebensmittel haben, so viele wie nie zuvor in unserer Geschichte!

Wenn wir einkaufen, halten wir das für selbstverständlich.

Ja, wir erwarten, dass alle Lebens- und Nahrungsmittel - ob im Supermarkt, im Kiosk oder auf dem Bauernhof direkt -

gesund, sicher und bezahlbar sind.

Wir hier in Europa sind gesegnet! Klimatisch begünstigt, haben wir eine Mitverantwortung dafür, dass die Menschen überall auf der Welt gut versorgt und gut ernährt werden.

Wir müssen gemeinsam dafür arbeiten, dass die Versorgung der Menschen weltweit gesichert wird!

Dafür braucht es eine gute und effiziente Landwirtschaft!

Dafür braucht es Sie, liebe Bauernfamilien!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Deutschland befindet sich in einer spannenden Phase.

Vor wenigen Tagen noch haben meine Kollegen und ich nächtelang in den Sondierungsgesprächen die Leitlinien der zukünftigen deutschen Politik ausgehandelt.

Ich freue mich, dass es mir gelungen ist, die ländlichen Räume und die Landwirtschaft stärker in den Fokus zu rücken. Es ist allen absolut klar: Mit der Zukunft der Landwirtschaft wird auch die Zukunft unserer Gesellschaft entschieden!

Wir wollen eine ökonomisch tragfähige

und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft.

Und zwar hier in Deutschland. Und wir sind bereit, in die Zukunft der Landwirtschaft zu investieren – aber nicht, um den Status Quo einfach zu erhalten. Sondern, damit wir uns verändern!

Ein paar Beispiele, was in Zukunft kommen wird -

wenn denn die SPD mitmacht:

Wir werden auf meinem Tierwohllabel aufbauen: 79 Prozent der Verbraucher aller Altersgruppen wünschen sich ein staatliches Tierwohllabel!

Ein staatliches Tierwohllabel ist deswegen gut,

weil es neutral ist, weil es hohes Vertrauen schafft.

Dazu braucht es Investitionen, Investitionen, die wir massiv unterstützen werden!

Ich danke allen, die den Weg hin zu mehr Tierwohl bisher mitgestaltet haben, auch der Brancheninitiative Tierwohl!

Von mehr Tierwohl haben langfristig alle etwas:

Die Tiere, die Verbraucher und die Landwirte, die mit mehr Tierwohl auch mehr Geld verdienen werden!

Das Kükentöten wird ein Ende haben. Als erste Supermarktkette wird Rewe ein von meinem Haus gefördertes Gerät zur geschlechtlichen Früherkennung in ihren Brütereien zur Anwendung bringen.

Zukunft fördern statt Bestehendes einfach verbieten, das gelingt auch hier! Und zwar schon 2018!

Sehr geehrte Damen und Herren,

die erschreckenden Zahlen zum Insektensterben erfordern zügiges Handeln!

Wir müssen die Artenvielfalt besser fördern und zwar durch:

mehr Vielfalt in der Landschaft: mehr Flächen für Bienen, mehr Hecken, Blühstreifen, ökologische Vorrangflächen,

durch die weitere Stärkung des Ökosystems Wald

durch geringeren und zielgenaueren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Und: durch den Ausbau des Ökolandbaus: 20 Prozent sollen es werden!

Außerdem: Wir müssen den Flächenverbrauch insgesamt reduzieren, also weniger neue Flächen, intelligentere Nutzung des Bodens, müssen überhaupt die Ressource Boden besser behandeln: Bereits gebrauchte Flächen nutzen, nicht immer überall neu bauen.

Die Biodiversität muss ganz oben auf die Agenda, bei uns – und bei Ihnen! Die Sicherung der Artenvielfalt ist die Sicherung unserer Landwirtschaft!

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie bei allen Pflanzenschutzmitteln gilt natürlich auch für Glyphosat so wie bisher auch weiterhin: So wenig wie möglich, nur so viel wie unbedingt nötig.

Durch unsere strikten Auflagen in Deutschland haben wir in meiner Amtszeit den Einsatz von Glyphosat um ein Drittel gesenkt. Jetzt geht es darum, gemeinsam Alternativen zu entwickeln. Im Sondierungspapier heißt das Stichwort: Ackerbaustrategie.

Die Alternativen können chemisch sein, mechanisch, aber auch digital. Forschung und Entwicklung laufen auf Hochtouren und die nächste Bundesregierung wird viel Geld dafür in die Hand nehmen, das verspreche ich Ihnen!

Wir müssen auf eine nachhaltige, ressourcenschonende und effektive Landwirtschaft setzen. Und zwar gemeinsam mit Ihnen, meine Damen und Herren!

Aber. Eines muss ich noch sagen:

liebe Landwirte, liebe Verarbeiter, liebe Molkereien, lieber Einzelhandel, liebe Milchbranche insgesamt: Seit der letzten Milchkrise hat sich viel zu wenig an Ihren Strukturen geändert.

Sie wissen das! Sie machen die Preise, Sie sind dafür verantwortlich, dass alle Beteiligten gut von der Milch leben können. Wir haben alle Zusagen eingehalten, wir haben die Erzeuger finanziell unterstützt, die Rahmenbedingungen für eine Neuordnung des Milchmarktes sind geschaffen, jetzt sind Sie am Zug!

Lieber Phil Hogan,

schön, dass Du auch dieses Jahr wieder hier bist! Ich danke Dir an dieser Stelle für Deine beständige, zuverlässige Unterstützung in Brüssel!

Wir sind uns einig: Wir brauchen – trotz BREXIT – auch in Zukunft eine gesicherte, solide Ausgestaltung und Ausstattung unserer gemeinsamen Agrarpolitik!

Die Förderstrukturen nach 2020 müssen gezielter und einfacher als bisher ausgerichtet werden. Wir wollen weniger Bürokratie und mehr Effizienz für eine marktfähige Landwirtschaft.

Ich will, dass in den Fokus der europäischen Agrarpolitik der aktive, in der Region verwurzelte Landwirt rückt.

Liebe Bäuerinnen und Bauern,

ich unterstütze weiterhin die Haltung der Kommission, an den Direktzahlungen zur Einkommensstabilisierung grundsätzlich festzuhalten. Natürlich will ich, dass Ihre Existenz in Deutschland weiter gesichert bleibt! Natürlich brauchen Sie das Geld!

Sehr geehrte Damen und Herren,

viele von Ihnen hier im Saal tragen ein landwirtschaftliches Produkt aus Bulgarien an sich und wissen es vielleicht gar nicht. Sie tragen ein Parfum, das Rosenöl enthält. Denn das stammt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aus einer der faszinierendsten Gegenden der Welt, dem Tal der Rosen – mitten in Bulgarien. Von dort stammen 70 Prozent des weltweit gehandelten Rosenöls! Landwirtschaftliche Produktion wie sie aufwendiger kaum geht: VIER Tonnen Rosenblätter braucht man für EINEN Liter Öl!

Lieber Herr Kollege Porodzanov,

auch ich heiße Sie und alle Ihre Landsmänner und –frauen hier in Berlin herzlichst willkommen! Ich freue mich auf die Zusammenarbeit während Ihrer EU-Ratspräsidentschaft. Ich habe mit Ihnen einen erklärten Mitstreiter, wenn es um die Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik geht.

Gemeinsam müssen wir am Haus Europa weiterarbeiten, nur gemeinsam haben wir in der Welt eine Chance, ökonomisch und ökologisch ganz vorne mitzuspielen!

Einen Wunsch habe ich an Sie: Das bulgarische Motto hier auf der Grünen Woche heißt „Aroma der Sonne“. Sonne können wir hier im trüben Winter Berlins wirklich brauchen!

Lassen Sie bitte möglichst viel davon hier!

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Internationale Grüne Woche ist so international wie noch nie zuvor! Ich freue mich, dass auch Russland wieder vertreten ist. Nutzen Sie alle die Chance dieser Plattform des Austauschs für Debatte und Diskussion, zum Kennenlernen und Zuhören!

Heute Nachmittag habe ich gemeinsam mit unseren Landes-Agrarministern beraten, am Samstag kommt hier in Berlin das Davos der Agrarpolitik zusammen: über 70 Agrarminister treffen sich zum 10. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) – der Berliner Welternährungskonferenz.

Der inhaltliche Schwerpunkt in diesem Jahr wird die Tierhaltung der Zukunft sein. Dazu berate ich mit den Agrarministern aus der ganzen Welt, den Vertretern der EU und zahlreicher internationaler Organisationen. Insbesondere in einer globalisierten Welt darf Tierwohl keine Grenzen kennen!

Meine Damen und Herren,

Sie haben sicher alle schon davon gehört: Eine aktuelle, große gemeinsame Herausforderung ist die Afrikanische Schweinepest, eine Tierseuche, für die es bislang keine Impfung oder Behandlung gibt.

Auch wenn für den Menschen keine Gefahr besteht, für unsere Schweinhaltung ist sie eine enorme Bedrohung.

Wir arbeiten seit Monaten intensiv daran, das Ausbruchsrisiko für Deutschland so weit wie möglich zu minimieren:

Wildschweine sind die Hauptüberträger der Seuche. Durch sie gelangt das Virus von Ort zu Ort und kann Ländergrenzen überschreiten. Aber auch der Mensch kann Transporteur der Seuche sein. Seit letztem Sommer schon haben wir eine großangelegte Informationskampagne laufen:

Ziel der Plakate und Handzettel ist es, LKW-Fahrer und Reisende aufzuklären.

Wildschweine dürfen keine Gelegenheit bekommen, unachtsam weggeworfene Fleisch- und Wurstprodukte - die das Virus enthalten können - zu fressen.

In meiner Zweitfunktion als Verkehrsminister habe ich aus denselben Gründen dafür gesorgt, dass an Autobahnraststätten auf Müllentsorgung und Umzäunungen geachtet wird.

Gleichzeitig arbeiten wir seit Herbst an einer Reduzierung des Wildschweinbestandes! Ich danke den deutschen Jägern, die verantwortungsvoll mithelfen, das Ausbruchsrisiko der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu reduzieren.

Bereits im September, unmittelbar nach Auftreten der Seuche in Tschechien, war ich in Prag, um Erfahrungen auszutauschen und den gemeinsamen Kampf gegen die Seuche aufzunehmen. Danke an die tschechischen Kollegen für die hervorragende Arbeit, die sie geleistet haben!

Hier funktioniert Europa hervorragend und wir alle tun unser Bestes, damit es zu keinem Ausbruch dieser Tierseuche kommt!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Landwirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern Ernährungssicherung!

Landwirtschaft dient der Pflege unserer Kulturlandschaft!

Die Landwirtschaft gehört in die Mitte der Gesellschaft!

Ich freue mich, dass wir alle hier auf der Internationalen Grünen Woche Zeit und Gelegenheit haben, den neuesten Entwicklungen, den leckersten Nahrungsmitteln, den nettesten Menschen und den wunderbarsten Tieren mitten aus der Landwirtschaft zu begegnen.

Ich wünsche Ihnen allen viel Spaß und Freude in den kommenden Tagen und erkläre hiermit

die Internationale Grüne Woche 2018 für eröffnet!