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Presse-Information

16. Januar 2020

Rede zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche Berlin 2020 Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes 16. Januar 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir stehen vor einer ganz besonderen Internationalen Grünen Woche. Diese Messe ist traditionell der agrarpolitische Jahresauftakt – mit allen uns vertrauten Diskussionen und Veranstaltungen. Sie ist aber vor allem DIE Plattform für den Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern und damit DIE Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und der übrigen Gesellschaft. Und an dieser Schnittstelle hat sich seit dem Herbst 2019 einiges getan: Landwirte haben lautstark und sichtbar wie seit langem nicht mehr ihre Anliegen in die Öffentlichkeit, in die Politik und in die Städte getragen. Der Protest war deshalb wirkungsvoll, sympathisch und glaubwürdig, weil er mit der klaren Forderung nach Dialog auf Augenhöhe verbunden war. Und – das Verständnis und die Sympathie von Verbrauchern und Bürgern war erfreulich groß. Der festgefahrene gesellschaftliche Dialog über Landwirtschaft und Ernährung hat einen neuen Schwung bekommen.

Wir Landwirte haben zugehört und verstanden, dass sich die gesellschaftlichen Anforderungen verändert haben. Jetzt ist die Politik an der Reihe, die Anliegen der Bauern aufzunehmen und ihnen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen.

Wir gehen daher in diese Grüne Woche mit den Fragen, ob

·         die Akteure und Partner in Politik und Gesellschaft die Botschaft aufgenommen und den Handlungsbedarf verstanden haben,

·         wir für Landwirtschaft in Deutschland eine echte und wirtschaftlich nachhaltige Zukunftsperspektive schaffen,

·         wir endlich zu gemeinsamen Lösungen für die Herausforderungen in Klima- und Naturschutz kommen.

Dieser Veränderungsprozess muss gestaltet werden und braucht Verlässlichkeit. Dazu gehört zwingend ein stabiles EU-Agrarbudget. Wir nehmen die Bundesregierung beim Wort, sich dafür einzusetzen.

Wir wollen die Chance dieser besonderen Situation nutzen. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen. Wir müssen verhindern, dass Politik und Gesellschaft nach einem kurzen Moment der Aufmerksamkeit wieder zur Tagesordnung übergehen. Eine gemeinsame Zukunftsperspektive muss geschaffen werden, die die landwirtschaftliche Seite maßgeblich und auf Augenhöhe mitgestaltet.

Europa diskutiert in diesen Tagen über den „Green Deal“, den Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagen hat. Setzt man ihn so um, dann wird dieser Vorschlag Europa erhebliche Anstrengungen abverlangen. Bei diesem europäischen „Green Deal“ oder beim Umbau der Tierhaltung wollen wir mitgestalten: Das darf nicht über die Köpfe der Landwirte hinweg geschehen, sondern geht nur mit uns.

 Es liegt aber auch die Chance darin, viele Themen, über die Deutschland derzeit besonders intensiv diskutiert, auf eine europäische Ebene zu heben. Auf den Klimawandel, auf Naturschutzfragen, auf die Probleme ländlicher Räume, auf die Herausforderungen der Energiepolitik und der Bioökonomie kann es letztlich nur europäische Antworten geben. Das gilt auch für die Rahmenbedingungen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft. Nicht zuletzt fordert der Green Deal auch eine solide Finanzierung europäischer Aufgaben.

Vor uns liegt eine Gestaltungsaufgabe zur Zukunft der Landwirtschaft, die Landwirte, Verbraucher und Gesellschaft gemeinsam angehen müssen. Das müssen wir in einer Zukunftskommission Landwirtschaft, aber auch schon im politischen Tagesgeschäft angehen. Wir Landwirte wollen diesen Weg gehen, wir wollen und können ihn gestalten. Unser Anspruch dabei sind Verlässlichkeit und Ehrlichkeit im Umgang mit Zielkonflikten und Forderungen. Dazu gehört, dass sich das eindeutige Bekenntnis der Verbraucher zu einer guten heimischen Landwirtschaft auch im Einkauf widergespiegelt wird. Dazu gehört Wertschätzung für hohe Standards auch an der Supermarktkasse. Nur wer hochwertig kauft kann auch erwarten, dass er mehr Tierwohl und eine höhere Qualität erhält. Das hat auch etwas mit dem Preis zu tun. Dazu gehören Spielregeln für den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt. Dazu gehört ein kooperativer Ansatz im Natur- und Artenschutz. Dazu gehört eine Gemeinsame Agrarpolitik, die auf eine Art und Weise grüner, umwelt- und klimaschutzorientierter wird und hierbei Landwirte unterstützt. Dazu gehört, gesellschaftliche Anforderungen aufzunehmen, ohne die Anforderungen einer zukunftsfähigen, modernen Landwirtschaft zu gefährden.

Wir sind bereit, diesen Veränderungsprozess mitzugestalten -  ohne ideologische Zuspitzungen und ohne Polarisierungen. Das bedeutet auch eine klare Absage an Radikalisierung und an rhetorischen Krawall. Man kann Klartext reden, ohne sich persönlich zu beleidigen. Wir wissen, dass es gerade in den sozialen Medien auf beiden Seiten Auswüchse gibt, die inakzeptabel sind.

Eine wichtige Lektion haben wir zum wiederholten Mal gelernt: Einigkeit macht stark. Einigkeit ist der Schlüssel zum politischen Erfolg. Wenn wir etwas erreichen wollen, dann geht das nur gemeinsam. Diese Geschlossenheit hat die Stärke des Berufsstandes immer ausgemacht.“

Doch zurück zur neuen Qualität unserer Diskussion über die Landwirtschaft: Lassen Sie uns die Chance nutzen. Lassen Sie uns alle - Verbraucher, Bürger, Politik und Gesellschaft - daraus unseren eigenen „Green deal“ für die Landwirtschaft in Deutschland machen. Dafür steht die auch Internationale Grüne Woche – als Bühne für den Dialog, für Positionen und konstruktives Streiten.

Ich wünsche Ihnen allen eine erfolgreiche Internationale Grüne Woche 2020. Für den Dialog mit den Landwirten lade ich Sie ganz besonders ein auf den Erlebnisbauernhof in Halle 3.2.

Weitere Informationen finden Sie unter:

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