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IGW Digital News

21. Januar 2021

Rooting for tomorrow – IGW 2050

 Martin Ecknig, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH, begrüßt die Teilnehmenden der Talk-Runde: 'Rooting for tomorrow - IGW 2050'
Martin Ecknig, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH, begrüßt die Teilnehmenden der Talk-Runde: "Rooting for tomorrow - IGW 2050"
Talk-Runde: 'Rooting for tomorrow - IGW 2050' Grußworte des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller
Grußwort des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, an die Teilnehmenden der Talk-Runde: "Rooting for tomorrow - IGW 2050"
Rooting for tomorrow – IGW 2050
Talk-Runde "Rooting for tomorrow - IGW 2050": Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes e.V.; Dr. Christian von Boetticher, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V.; Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft; Judith Rakers, Moderatorin (v.l.n.r.)
Rooting for tomorrow – IGW 2050
Talk-Runde "Rooting for tomorrow - IGW 2050": Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes e.V.; Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft; Lars Jaeger, Projektleiter, Internationale Grüne Woche; Judith Rakers, Moderatorin (v.l.n.r)

Im Talk Rooting for tomorrow nimmt Moderatorin Judith Rakers ihre Gäste mit auf eine Reise in die Zukunft. Gemeinsam lassen sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Bauernpräsident Joachim Rukwied und BVE-Präsident Dr. Christian von Boetticher auf ein Gedankenexperiment ein und diskutieren Fragen zur Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft.  

Wie verändert die Digitalisierung die Landwirtschaft?

Die Gesprächsteilnehmer sind sich einig, dass die Digitalisierung in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird. Dr. Christian von Boetticher spricht eines der zentralen Probleme der herkömmlichen Landwirtschaft an: Dem Bevölkerungswachstum in 50 Jahren könne diese nicht mehr gerecht werden. Demnach sei man auf technologische Lösungen angewiesen. Auch der Anteil von bereits verarbeiteten Lebensmitteln werde voraussichtlich steigen, so von Boetticher. Laut Julia Klöckner sei in diesem Zusammenhang aber auch Roll-Back nicht auszuschließen. Ursprüngliche Herstellungsweisen würden nicht verloren gehen, aber vermutlich sehr viel teurer werden. Das sei ein Trend der bereits jetzt zu beobachten sei.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen leben in 50 Jahren 10 Milliarden Menschen auf unserem Planeten, die alle ernährt werden müssen. Hierfür brauche es neue Strategien. Urban Gardening könne hier nur ergänzend wirken. Da sind sich Rukwied und von Boetticher einig, „aber ohne Landwirtschaft können wir die Welt nicht ernähren“, macht Joachim Rukwied deutlich. Insbesondere die Tierhaltung funktioniere nur auf dem Land. In der Stadt sei das Tierwohl nicht zu gewährleisten.

Bereits heute seien die Landwirte technologisch weiter, als so mancher denken würde. Dort wo es möglich sei, nutzten Bauern bereits 5G, um ihre Felder pflanzengerecht düngen zu können, berichtet Joachim Rukwied. Und auch die CRISPR/Cas-Methode könne in der Zukunft hilfreich sein, um Resilienzen bei Pflanzen gezielt und schnell anpassen zu können ohne fremde DNA-Bausteine einbauen zu müssen.

Julia Klöckner spricht ebenfalls die 5G Strategie der Bundesregierung an. Ihrer Einschätzung nach würde die Strategie „5G an jedes Haus“ nicht ausreichen. Man müsse alle Flächen erschließen, und sei es durch mobile Netze. Nur so könne auch die Landwirtschaft vermehrt auf Künstliche Intelligenz setzen und ihre Prozesse sowohl umwelt- als auch klimafreundlich optimieren.

Werden Städte zukünftig ihre eigenen Lebensmittel produzieren?

Digitalisierung sei immer ein Mittel zum Zweck. Mit ihrer Hilfe könne man politische Ziele verwirklichen. Digitalisierung rein um der Digitalisierung selbst willen helfe nicht weiter. „Am Ende wird sich das durchsetzen, was sich auch rechnet. Und in einer Stadt ist Boden teuer“, so Klöckner. Wenn städtischer Wohnraum so teuer bleibe, dann werde sich eine Salatproduktionsfirma in der Stadt nicht rechnen, ist sich Julia Klöckner sicher. Dennoch sei sie davon überzeugt, dass städtischer Raum auch in Zukunft stärker in Anspruch genommen werde. So werde bereits in der Stadt Andernach öffentlicher Raum genutzt, um Gemüse und Obst anzubauen, an dem sich alle bedienen können. Dies sei kein Ernährungskonzept, aber ein wichtiger Schritt, so Klöckner.

Wie verändert sich das Bewusstsein der Konsumenten und wie sieht ein Supermarkt im Jahr 2050 aus?

„Wie wird in Zukunft das Einkaufserlebnis sein? Ich glaube vielfältig. Für den einen ist es wunderbar, wenn er sich seine Produkte im Internet raussucht. Der nächste sagt, ich will Obst und Gemüse direkt sehen und geht zum Hofladen“, ist Julia Klöckner überzeugt.

Zudem können sich alle Beteiligten eine stärkere Vernetzung unterschiedlicher Bereiche mit der Lebensmittelindustrie vorstellen. So sei es denkbar, dass in Zukunft die Medizintechnologie stärkeren Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten habe, so Christian von Boetticher. Darauf werde die Ernährungsmittelindustrie reagieren müssen und entsprechende Produkte anbieten.

Für alle Gesprächsteilnehmer ist klar, dass es auch in 50 Jahren noch Supermärkte geben werde. Seit Jahren würden Zukunftsforscher davor warnen, dass Konsumenten vermehrt online kaufen würden, das würde in Deutschland bislang nicht eintreffen, sagt Christian von Boetticher.

Wünsche für die Zukunft:

Abschließend äußern alle Gesprächsteilnehmer ihre Wünsche für die Zukunft in 50 Jahren. Julia Klöckner wünscht sich, „dass Landwirte offen sind für das, was die Gesellschaft will.“ Umgekehrt wünscht sich Joachim Rukwied, „dass die Politik einen Rahmen setzt, in dem es Spaß macht, nachhaltige und gesunde Lebensmittel zu produzieren.“ Und auch Dr. Christian von Boetticher richtet seinen Wunsch in Richtung Politik und bittet um mehr „Investitionssicherheit, nicht jeden Tag neue Regularien.“

Es wird sich zeigen, was die Zukunft bereit hält und wie viel von diesem Gedankenexperiment in 50 Jahren tatsächlich eintreten wird.

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