Veranstalter / Organizers:
Messe Berlin
Datum der Veranstaltung:
17-26 Jan 2025
Internationale Grüne Woche
17-26 Jan 2025

Erbsen haben Superkräfte

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Erbsenerzeugung in Deutschland beinahe verdreifacht. Warum? Die Mini-Kugeln sind kleine Nährstoffbomben...

Erbsen verfügen über bemerkenswerte Eigenschaften – eine Beobachtung, die bereits vor 200 Jahren der Augustinermönch Gregor Mendel machte. Durch die Durchführung von Kreuzungsexperimenten mit mehr als 10.000 Erbsenpflanzen erforschte er die Weitervererbung von Merkmalen bei Pflanzen. Seine Entdeckungen, bekannt als Mendelsche Regeln, legten den Grundstein für die moderne Vererbungslehre. Die einjährig rankenden Schmetterlingsblütler dienten jedoch nicht nur als Modellorganismen für den weltberühmten Pionier der Genetik. Die kleinen Perlen, die in ihren Hülsen heranwachsen, haben das Potenzial, zu Superfoods zu werden und tragen zur Förderung von Nachhaltigkeit auf dem Teller und auf dem Feld bei.

Protein vom Acker

Ob als frische grüne Erbsen aus dem Garten oder als getrocknete, ausgereifte Körnererbsen vom Feld: Die inländischen Hülsenfrüchte, die zur Gruppe der Körnerleguminosen gehören, zeichnen sich durch ihren hohen Proteingehalt, ihre Ballaststoffe und Vitamine aus. Weltweit sind mittlerweile über 250 verschiedene Sorten erhältlich, die vielfältige Verwendung finden. Sie dienen nicht nur als Futtermittel, sondern werden auch als Trockenspeiseerbsen oder Rohstofflieferanten für die Lebensmittelindustrie genutzt.

„Erbsen gehören zu den ältesten Kulturpflanzen, die seit Tausenden von Jahren eine wichtige Rolle bei der Ernährung von Menschen und in der Tierfütterung spielen“, erklärt Nina Blijdorp, internationale Produktmanagerin für Hafer und Erbsen beim Saatgutunternehmen KWS. Die Nachfrage nach den regional angebauten Eiweißpflanzen wächst seit einigen Jahren stetig. „Vor allem Verbraucherinnen und Verbraucher der jüngeren Generation greifen häufiger zu alternativen, pflanzlichen Eiweißprodukten“, sagt die studierte Agrarwissenschaftlerin.

Im Trend: Erbsenprotein

Viele Hersteller von Lebensmitteln haben bereits auf die neuen Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher reagiert. Ein Blick in die Supermarktregale offenbart eine breite Palette an Produkten, die aus pflanzlichem Erbseneiweiß hergestellt sind. Speziell verarbeitete Erbsenmehle, Konzentrate und Isolate finden sich mittlerweile in einer Vielzahl von Lebensmitteln wie "Schnitzeln," Nudeln, Joghurt, Getränken, Eis oder Sportlerriegeln. Das Besondere daran: Das Eiweißisolat, das größtenteils aus gelben Körnererbsen gewonnen wird, weist einen Proteingehalt von bis zu 86 Prozent auf. Die Frage, ob es in den kommenden Jahren möglich sein wird, Erbsen mit fleischigem Geschmack zu züchten, um dem tierischen Originalprodukt möglichst nahe zu kommen, findet Nina Blijdorp nicht unbedingt entscheidend. „Essen ist heutzutage mit einem ganz anderen Bewusstsein verbunden. Vielen Verbrauchern ist es nicht mehr so wichtig, dass das pflanzliche Alternativprodukt tatsächlich nach Fleisch schmeckt.“

Körnerleguminosen - Nachhaltige Symbiose für Mensch und Tier

Die Erbse erweist sich nicht nur als erstklassige Proteinquelle für Mensch und Tier, sondern bietet auch bedeutende ökologische Vorteile für die moderne Landwirtschaft. Diese Hülsenfrucht mit ihren Körnerleguminosen trägt dazu bei, Fruchtfolgen, die stark auf Getreide ausgerichtet sind, zu diversifizieren. Sie fördert die Bildung von Humus und verbessert die Bodenqualität. Das Besondere daran: Erbsenpflanzen gehen eine Symbiose mit Knöllchenbakterien ein, die sich an ihren Wurzeln ansiedeln. Diese Bakterien sind in der Lage, Stickstoff direkt aus der Luft zu binden und diesen der Wirtspflanze zur Verfügung zu stellen, um Eiweiß zu bilden. Auf diese Weise versorgt sich die Erbse selbst, was den Einsatz von synthetischem Stickstoffdünger überflüssig macht.

Mehrertrag bei Folgefrucht

Auch die nachfolgenden Feldfrüchte profitieren erheblich vom Anbau von Körnerleguminosen. Wenn die Samen von Körnererbsen mit einem Mähdrescher geerntet werden, verbleiben die Überreste der Pflanze sowie alle Wurzeln auf dem Acker. Diese Überreste enthalten Stickstoffreserven, die dann den nachfolgenden Kulturen zur Verfügung stehen.

Experten gehen davon aus, dass auf diese Weise bis zu 70 Kilogramm Stickstoff pro Hektar eingespart werden können, wenn es um die Düngung der nachfolgenden Pflanzen geht. „Landwirte können dadurch nicht nur mineralische Stickstoffdüngemittel reduzieren, sie erzielen durch die natürliche Stickstoffanreicherung im Boden auch bis zu einer Tonne Mehrertrag der Folgefrucht pro Hektar“, erläutert Nina Blijdorp die Vorzüge der Erbsenpflanzen, die zusätzlich mit ihren Blüten Nahrung für viele Insekten bietet. Um die langfristige Gesundheit der Erbsenpflanzen zu gewährleisten und ihre landwirtschaftlichen Vorteile voll auszuschöpfen, empfiehlt es sich, sie nur alle sechs Jahre auf demselben Acker anzubauen.

Anbau fördern

Eine Studie der Boston Consulting Group prognostiziert, dass die Menge an pflanzlichem Protein für die menschliche Ernährung bis 2035 um das Fünffache ansteigen wird, auf etwa 70 Millionen Tonnen. Dennoch sind Körnerleguminosen im Vergleich zu Hauptkulturpflanzen wie Weizen nach wie vor eine Nischenkultur. Sie stellen für Landwirte eine zunehmend attraktive Zusatzoption dar, weisen jedoch einen geringeren Ertrag auf.

Gegenwärtig bauen Landwirtinnen und Landwirte auf knapp zwei Prozent der gesamten Ackerfläche in Deutschland Hülsenfrüchte an. Durch eine gezielte Eiweißpflanzen- und Ackerbaustrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums soll der Anbau bis 2030 auf zehn Prozent erhöht und für Landwirtinnen und Landwirte attraktiver gestaltet werden.

Auch das Saatgutunternehmen KWS geht mit der Zeit und will die Züchtungserfolge rund um die Erbse weiter ausbauen. Dazu Nina Blijdorp: „Erbsen sind faszinierende Pflanzen, die sich wunderbar für die regionale Proteinversorgung für Mensch und Tier anbieten. Um ihre Potenziale noch besser zu nutzen, werden neben Merkmalen wie Ertrag, Standfestigkeit und Proteingehalt zukünftig Geschmack, Textur und Verarbeitungseigenschaften des Erbseneiweißes eine noch größere Rolle in der Züchtung spielen.“

Dieses Interview und weitere Informationen zum Thema „Nachhaltige Landwirtschaft“ finden Sie auf der Website und im Magazin Stadt.Land.Wissen unseres Kooperationspartners Forum Moderne Landwirtschaft unter www.moderne-landwirtschaft.de.

Erbsen haben Superkräfte

Erbsen haben Superkräfte. Die Mini-Kugeln sind kleine Nährstoffbomben. © KWS

Autor*in: Daniela Breitschaft

Regional, Ländliche Vielfalt, ErlebnisBauernhof

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