Veranstalter / Organizers:
Messe Berlin
Datum der Veranstaltung:
17-26 Jan 2025
Internationale Grüne Woche
17-26 Jan 2025

Landwirt für einen Tag - Vom Computer aufs Feld

Ben Fehler, ein IT-Spezialist aus Bonn, war neugierig darauf, mehr über die Lebensmittelproduktion in Deutschland zu erfahren, und nahm daher an der Aktion "Landwirt für einen Tag" teil.

Er stellte erstaunliche Parallelen zwischen den Branchen fest und ist beeindruckt, wie innovativ die Landwirtschaft aufgestellt ist. Ben Fehler ist ein Befürworter der Modernisierung der öffentlichen Verwaltung, einschließlich der Beschleunigung von Arbeitsprozessen und Antragsabwicklungen. Als Digitalisierungsexperte, der in einer Akademikerfamilie in Köln aufgewachsen ist, hatte der 35-Jährige, wie viele andere Verbraucher auch, nur wenig Vorstellung von den umfangreichen Aufgaben, die ein Landwirt erfüllen muss, um Produkte wie Milch, Eier oder Schweinefleisch herzustellen und zu verkaufen. Heute lebt Ben Fehler mit seiner Lebensgefährtin in Bonn und gemeinsam legen sie großen Wert auf eine gute und gesunde Ernährung. Aufgrund seines regen Interesses und seiner anhaltenden Fragen zur Lebensmittelproduktion in Deutschland beschloss er, sich beim Forum Moderne Landwirtschaft zu bewerben, um einen Tag lang bei der Arbeit eines Landwirts live dabei zu sein.

Anpacken auf dem Hof von Timo & Katharina

Ungefähr eine Autostunde von Bonn entfernt, in Neunkirchen-Seelscheid, befindet sich der moderne Hof von Timo Wald und Katharina Mosler. Auf diesem Hof werden verschiedene Tierarten wie Schweine, Hühner und Milchkühe gehalten.

„Nach einer Besprechung des Tagesablaufs habe ich zunächst einmal Hühnerfutter aufgefüllt und Eier eingesammelt. Bei Timo und Katharina leben rund 350 freilaufende Hühner in mobilen Ställen auf einer Wiese. Die Unterkünfte auf Kufen werden regelmäßig mit einem Trecker umplatziert, damit das Gras darunter nachwachsen kann.“

Ben Fehler (l.) füllt Hühnerfutter auf unter Anleitung von Timo Wald

Ben Fehler (l.) füllt Hühnerfutter auf unter Anleitung von Timo Wald, Copyright Timo Jaworr/Forum Moderne Landwirtschaft

Im Anschluss half er dem Landwirt dabei, eine Herde Kühe auf eine andere Weide zu treiben. „Timo betreibt hier sogenanntes Mob Grazing. Das heißt, auf den jeweiligen Flächen findet immer nur eine kurze Beweidung mit langen Ruhephasen für die Weiden statt. Auf diese Weise wird der Boden besser geschützt“, lautet Fehlers Resümee nach dem Ausflug. Eine weitere schnelle Erkenntnis war:

„Die Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb ist harte körperliche Arbeit. Timo ist täglich 10 bis 12 Stunden draußen unterwegs.“

Zusätzlich zu seinen Aufgaben auf dem Hof müsse der Landwirt stundenlang Büroarbeiten erledigen und die Kommunikation mit dem Einzelhandel und den Behörden führen. „Ich war sehr überrascht, wie viele Anträge er ausfüllen muss“, so Ben Fehlers Fazit nach seinem Besuch auf dem Bauernhof.

Timo Wald (l.) und Ben Fehlers (r.) auf der Weide mit einer Herde Kühe

Timo Wald (l.) und Ben Fehlers (r.) auf der Weide mit einer Herde Kühe, Copyright Timo Jaworr/Forum Moderne Landwirtschaft

Parallelen zwischen den Welten

„Ich übe meinen Beruf als Digitalisierer sehr gerne aus und würde kein Landwirt sein wollen. Aber nachdem ich festgestellt habe, dass die Landwirtschaft ähnlich wie die digitale Welt mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat, habe ich Timo angeboten, ihn zu unterstützen und seine Webseite zu vereinfachen und zu aktualisieren.“ Ben Fehler ist der Meinung, dass Landwirte und Landwirtinnen sich selbst um ihr Image kümmern und mehr Aufklärungsarbeit leisten sollten. „In meiner Branche ist es ähnlich. Noch immer wird diskutiert, warum wir die Digitalisierung überhaupt benötigen. Die Bürgerinnen und Bürger wollen zwar, dass die Verwaltungen schneller arbeiten, aber ohne, dass diese künstliche Intelligenz einsetzen oder gar Daten speichern. Das ist doch widersprüchlich. Und die Landwirte sollen eine Balance halten zwischen Tierwohl, Umweltschutz und erfolgreichem Wirtschaften, ohne dass die Endkund:innen auch nur ansatzweise irgendetwas dazu beisteuern wollen. Ich habe wirklich viele Parallelen zwischen unseren Branchen entdeckt.“

Ben hält am Ende seines Tages als Landwirt fest:

„Ich habe ein viel besseres Verständnis für Qualität entwickelt und gehe jetzt ganz anders einkaufen. Vor allem achte ich darauf, woher die Lebensmittel stammen. Ich kaufe jetzt mehr regionale und saisonale Produkte ein.“

Seine Teilnahme an der Aktion "Landwirt für einen Tag" hat Ben Fehlers Blick für Dinge geschärft: Früher habe er beim Einkaufen viele Dinge nicht wahrgenommen, dies sei nach seiner Hofarbeit nun grundlegend anders.

„Diesen Artikel und weitere Informationen zum Thema moderne Landwirtschaft finden Sie auf der Website und im Magazin Stadt.Land.Wissen unseres Kooperationspartners Forum Moderne Landwirtschaft: Landwirt für einen Tag - Moderne Landwirtschaft (moderne-landwirtschaft.de). Sie möchten auch einmal „Landwirt für einen Tag“ sein? Auf der Grünen Woche 2024 können Sie sich für die Aktion bewerben.“

Autor*in:Daniela Breitschaft

Ländliche Räume, ErlebnisBauernhof

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