100 Jahre Grüne Woche: Neue Hoffnung nach den Kriegsjahren
Berlin lag zu großen Teilen noch in Schutt und Asche, als die erste Grüne Woche nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete. Die Würste waren aus Pappe, aber die Menschen voller Hoffnung auf Frieden und Woh
Drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die Lage in Berlin prekär. Der „Hungerwinter“ 1946/47 hatte für viele Menschen den Tod bedeutet. Dennoch organisierte 1948 der Zentralverband der Kleingärtner, Siedler und Boden die erste Grüne Woche nach dem Krieg. Trotz der Blockade West-Berlins und weitgehender Stromsperre fanden sich 59 Aussteller zusammen. Viele Exponate kamen per Luftbrücke: 250 britische und 357 amerikanische Flugzeuge brachten zum ersten Messetag Versorgungsgüter aller Art.
Messe unter NS-Herrschaft
15 Jahre zuvor hatte die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler direkte Folgen für die Grüne Woche. Denn fortan war Joseph Goebbels als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda zuständig für die Berliner Messegesellschaft, die sich spätestens ab Mitte des Jahres 1933 ihrer Eigenverantwortung beraubt sah. Die staatliche Kontrolle war von nun an allgegenwärtig, sei es bei der Auswahl der Aussteller als auch der eigenen Mitarbeiter. Politisch unliebsame Personen und „Nicht-Arier“ wurden entlassen, jüdische Unternehmer von Messen ausgeschlossen.
Bis zur „ersten Grünen Woche im neuen Staat“ 1934 gab es bereits tiefgreifende Veränderungen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Eine große Hitler-Statue mit Pflug empfing die Gäste. Inhaltlich lag der Fokus auf der autarken Selbstversorgung des Reichs. Nahrungs- und Futtermittelimporte sollten ein Ende haben, Devisen und Ressourcen in die Aufrüstung fließen.
„Blut und Boden“-Ideologen wie der NS-Landwirtschaftsminister Walter Darré drücken der Grünen Woche fortan ihren Stempel auf. Zu den Innovationen auf den insgesamt fünf Messen unter dem Nazi-Regime gehörten eine Fleischkraftbrühe im Jahr 1937 von E. Mannert. Eine Puppenstube mit „korrekter Küche“ zeigte der Hausfrau, wie sie ihre Familie zu versorgen hatte. 1938 fiel die Grüne Woche wegen der Maul- und Klauenseuche aus. 1939 verkündete die Regierung auf der letzten Messe vor dem Zweiten Krieg stolz, dass der Grad der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln inzwischen höher liege als 1914, ein Hinweis auf den bevorstehenden Krieg, der im September mit dem Überfall Deutschlands auf Polen begann.
Neuanfang und Wiederaufbau
Die erste Grünen Woche nach dem Krieg gab den Menschen Hoffnung. Besonders bestaunten sie eine 3,3 Kilogramm schwere Kastengurke und ein 40-Kilo-Kürbis. Die Kreuzberger Zuchtsau Dora mit ihren Ferkeln verhieß seltenen Fleischgenuss. Jedoch waren Schinken und Würste an den Ständen noch aus Pappe.
Ab 1949 zeigten sich die landeseigenen „Berliner Ausstellungen“ für die Messe verantwortlich. Der Wiederaufbau Berlins machte auch vor dem Messegelände nicht halt. 1950 fiel die Grüne Woche wegen Bauarbeiten aus. Ein Jahr später hieß die Messe erste Gäste aus dem Ausland willkommen: Niederländische Aussteller bauten 1951 eine Gemüsepyramide, bestaunt von Bundeskanzler Konrad Adenauer. In den Folgejahren sollte die ausländische Beteiligung kontinuierlich wachsen. Ebenfalls 1951 pflanzten die Initiatoren einen „Grüne Woche Wald“ in der Halle, der anschließend in den Sommergarten umzog. Eine Innovation war 1953 die Biogasanlage „Darmstadt“ mit einer Leistung von zehn Kubikmetern Biogas pro Tag, die laut Hersteller für einen Haushalt zum Heizen und Kochen reichen sollten.
Bis zum Mauerbau gehörten viele Landwirte aus der DDR zu den Ausstellern. Auch unter den Gästen nahmen viele das beschwerliche Passieren der Sektorengrenzen auf sich. 30 bis 50 Prozent kamen aus den unter sowjetischer Besatzung stehenden Ost-Bezirken. Einen Besucher-Rekord konnte die Grüne Woche 1954 vermelden: Eine halbe Million Menschen kamen zur Messe in neun Hallen auf 30.000 Quadratmetern. Die Erfolgsgeschichte konnte weitergeschrieben werden.

1951 – Ein Meilenstein: Bundeskanzler Konrad Adenauer (v.r.) besucht den aufwendig gestalteten Stand des ersten ausländischen Ausstellers aus den Niederlanden. Foto:Messe Berlin