75 Jahre voller Farbe, Geschmack und Natur: Die Niederlande auf der Grünen Woche
Die Niederlande feiern 75 Jahre Grüne Woche: Windmühle, Tulpen und Streetfood treffen auf Zukunftslandwirtschaft. Zwölf Provinzen zeigen, wie Genuss, Nachhaltigkeit und Natur zusammengehören.
Als erster internationaler Aussteller im Jahr 1951 feiern die Niederlande ihr 75-jähriges Grüne Woche Jubiläum. Besucherinnen und Besucher sehen in Halle 18 auf den ersten Blick eine orangefarbige Kulisse mit der ikonischen Windmühle, ein Spiegelkabinett voller Orchideen und einem Meer bunter Tulpen, darunter die „Berlin Jubilee“, die extra für die Grüne Woche gezüchtet wurde. Agrarminister Alois Rainer taufte sie unter Anleitung seiner niederländischen Amtskollegin, Femke Marije Wiersma beim Eröffnungsrundgang mit Schaumwein.
Ein kulinarischer Abstecher lohnt sich ebenfalls in die Streetfoodhalle 6.2 sowie in Halle 8.2. Dort warten niederländische Klassiker wie Poffertjes, Stroopwafelllikör oder knusprige Pommes mit Käsesauce. Auf der Grünen Woche Bühne trat mit „Kleintje Pils“ außerdem die berühmteste Blaskapelle der Niederlande auf – stilecht in Holzschuhen. Die 15-köpfige Traditions-Band vertritt das Königreich seit 1975 regelmäßig bei Weltmeisterschaften, olympischen Spielen und königlichen Hochzeiten.
Im Einklang mit der Natur
Unter dem Thema „Farming the Future“ zeigen die Niederlande in ihrem Jubiläumsjahr in Halle 18, wie zukunftsfähige Landwirtschaft, regionale Produkte und Erlebnisse im ländlichen Raum zusammengehören. So präsentiert Bas Huisman vom Weingut Reestlandhoeve in Overijssel den regional hergestellten Wein nicht nur Genussprodukt sondernd gleichfalls als soziales Projekt: Im Rahmen der Herstellung bietet Reestlandhoeve Kurse für Menschen mit Demenz an, die betreut bei der Ernte helfen können. Die Reben werden außerdem mit klassischer Musik verwöhnt. Bas Huisman hat einen deutlichen Unterschied festgestellt, seit die klassische Musik im Weinberg erklingt: „Die Trauben sind resistenter, sie wachsen schneller, werden größer und wir verzeichnen weniger Befall“, sagt er.
Flevoland: vom Meeresboden zum Acker
Die Verbindung der Menschen zur Natur soll wieder hergestellt werden, dazu gehört auch der Agritourismus: „Menschen möchten wissen, wo ihr Essen herkommt, und der Agritourismus kann dabei helfen, das zu erleben“, sagt Anouk van Eekelen vom Niederländischen Büro für Tourismus und Convention (NBTC). Vor diesem Hintergrund könnte die Pronzinz Flevoland besonders interessant sein. Flevoland, nahe Amsterdam, ist bis heute das größte Landgewinnungsprojekt der Welt. Aus dem Meeresboden, aus dem die zwei Inseln Urk und die 1825 und 1916 überflutete Insel Schokland ragten, ist durch ein Eindeichungsprojekt Flevoland entstanden, die zwölfte und jüngste Provinz der Niederlande und das Weltkulturerbe Schokland.
Ganzheitliche Wertschöpfungskette „from farm to fork“
Der Respekt für die Natur wird durch die nachhaltige Landwirtschaft deutlich: „Bei uns in Flevoland bündeln wir alles: vom Acker bis zum Teller, vom Anbau bis zur Zubereitung“, sagt Sharon de Miranda. Die Chefköchin und Kochbuchautorin ist in den Niederlanden als TV-Köchin der Sendung BinnensteBuiten bekannt. Sie arbeitet eng mit der Regierung in Flevoland zusammen, als Botschafterin für lokales, nachhaltiges und pflanzliches Essen, das Freude bereitet. „Lebensmittel sind mehr als nur ein Gericht auf dem Teller. Sie sind eine Geschichte, eine Verbindung und eine Gelegenheit, etwas Schönes zu tun. Wenn man das versteht, wird jede Mahlzeit wertvoller“, sagt sie.
Sharon de Miranda präsentiert „Dry Aged“-Bio-Rote Bete mit intensivem Aroma, nachhaltig angebaute Süßkartoffeln und Soja aus niederländischem Anbau. „Mit Stolz koche ich mit Produkten aus Flevoland und erzähle ihre Geschichte“, sagt sie.

Anouk van Eekelen vom Niederländischen Büro für Tourismus und Convention (NBTC) und Dr. Barbara Driessen eröffnen die Pressekonferenz "Farming the Future“ zum Jubiläum der Niederlande Foto: Messe Berlin