Altes Handwerk neu entdecken
Ob Böttcher oder Korbmacher, auf der Grünen Woche gibt es alte Handwerksberufe zu entdecken. Aus Kork oder alten Flaschen können Gäste selbst Unikate herstellen.
Die Holzfässer der Böttcherei Messerschmidt aus Neu-Zittau bei Berlin sind gefragt. Ob Wein- oder Whiskyfass, maßgefertigter Pflanzkübel oder Saunatauchbecken, Outdoor-Badewanne oder Mittelalter-Bierkrug, Denis Mertens bekommt ganz unterschiedliche Aufträge. Und genau das hält den Böttcher-Meister bei der Stange. Denn sein Handwerk wird nur noch von wenigen Menschen ausgeübt. Da kommen die Anfragen schon mal aus Hollywood, wenn es darum geht einen Film wie Tarantinos „Inglourious Basterds“ auszustatten. Auch in den Verfilmungen von „Krabat“ und „Die drei Musketiere“ sind Sonderanfertigungen aus Neu-Zittau zu sehen.
„Die Dauben, also die Längshölzer des Fasses, müssen exakt gearbeitet sein“, sagt Denis Mertens an seinem Stand in Halle 26a. Präzision ist daher eine wichtige Voraussetzung für seinen Beruf, auch die Kenntnis der verschiedenen Holzarten, die einen Einfluss auf Färbung und Geschmack der darin gelagerten Weine und Spirituosen haben. Trotz der Vielseitigkeit hat das Böttcher-Handwerk Nachwuchssorgen. Ob Denis Mertens eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger findet, an die oder den er sein Unternehmen übergeben kann, steht in den Sternen.
Natürliches Geflecht
Ähnlich geht es Heiko Käding. Er ist Korbmacher aus Boldekow in Mecklenburg-Vorpommern und zeigt sein Können in der Halle des diesjährigen Grüne Woche-Partners. Das Handwerk haben schon Vater, Groß- und Urgroßvater ausgeübt und ihm eine eigene Weidenplantage hinterlassen. Von dort bezieht er einen Teil seines Materials.
Etwa zweieinhalb Stunden arbeitet der Mann mit dem grauen Vollbart an einem Weidenkorb, ein reines Naturprodukt, das nachhaltig, recycel- und reparierbar ist. Fast alle Abfälle werden wiederverwertet. Viele Aufträge sind aber auch Reparaturen, zum Beispiel von Worpsweder Stühlen, die sich durch ihr Binsengeflecht auszeichnen.
In Volkshochschulkursen gibt Heiko Käding sein Wissen weiter. Doch als Beruf möchte kaum jemand noch Korbmacher werden. Kein Wunder, was in seinen Händen so leicht aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit, die schnell zu einer Sehnenscheidenentzündung führt. Und Heiko Kädig hat auch seine Prinzipien: Einen Strandkorb, den viele mit seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern assoziieren, würde er niemals flechten. Der besteht schließlich aus Kunststoff.
Wer sich selbst auf der Grünen Woche handwerklich betätigen möchte, findet bei den Mitmach-Angeboten Gelegenheiten dazu. Am 23. und 24. Januar 2026 bietet Rheinland-Pfalz einen Kork-Kreativworkshop in Halle 6.2 an. Keramikmalerei auf gebrauchtem Geschirr gibt es auf der Zero Themen-Insel in Halle 27 am Sonnabend, 24 Januar 2026, um 12 Uhr. Ebenfalls in Halle 27 geben Sarah Gohm und ihrem Team vom Bottleneck Project am Sonntag, 25. Januar 2026 von 10 bis 15 Uhr den Workshop „Aus Altglas wird Lieblingsding“. Die Teilnehmenden gestalten aus alten Glasflaschen Trinkgläser, Vasen oder Lampen. Unkostenbeitrag: 5 Euro.
Eine umfangreiche Übersicht über alle Mitmachangebote gibt es in der Programmübersicht unter der Kategorie „Workshop“.

Korbmacher Heiko Käding aus Mecklenburg-Vorpommern bei der Arbeit. Foto: Messe Berlin