Veranstalter:
Messe Berlin
Datum der Veranstaltung:
15-24 Jan 2027
Grüne Woche
15-24 Jan 2027
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Batman und die stillen Helden der Themeninsel ZERO

Auf der Themeninsel ZERO in Halle 27 dreht sich alles um Zero Waste: Repair-Cafés, 3D-gedruckte Brillen und Messeböden aus recycelten Altreifen zeigen, wie Nachhaltigkeit konkret gelebt wird.

Muharrem Batman sitzt an einem schmalen Tisch, umgeben von alten Waffeleisen, Radiogeräten und Schreibmaschinen. Dazwischen flimmern Bildschirme in Metallrahmen, eine Schrottinstallation, die er zusammen mit einem Metallkünstler gebaut hat. Von einem Tonband laufen deutsche Schlager. 

Retter kaputter Geräte

Der Neuköllner bezeichnet sich als Pionier der ReUse-Bewegung, und tatsächlich repariert er seit mehr als 20 Jahren Elektro-Geräte. Momentan betreibt er ein Repair-Café bei Karstadt am Hermannplatz. Entweder macht er die Geräte seiner Kundschaft wieder funktionsfähig oder unterstützt sie dabei, es selbst zu tun. Er würde sich wünschen, dass das gemeinsame Basteln und Reparieren wieder mehr Teil des Alltags wird – nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Batman ist übrigens sein richtiger Nachname. Eine Parallele zu dem Comichelden zieht er mit einem Augenzwinkern: „Er rettet Menschen, ich Geräte.“

Aus dem 3D-Drucker kommen die Brillen des Ausstellers Headrix. Diese Art der Herstellung bringt viele Vorteile mit sich: Die Brille lässt sich präzise anpassen. Es fällt kein Abfall an, und es kommt ein nachwachsendes Material zum Einsatz, nämlich ein Pulver auf Basis der Rizinuspflanze, das sich recyceln lässt. Die Idee zu den nachhaltigen, bruchsicheren Sehhilfen aus dem Drucker kam Gründer Stanislav Gempel von Headrix bereits während seines Studiums an der TU-Berlin. Inzwischen gibt es die Brillen bei mehreren Optikern. Kundinnen und Kunden können sich zwischen Standard-Modellen und Sonderanfertigungen entscheiden.

Doppelt nachhaltig: Vom Autoreifen zum Messeboden

Auf der Themeninsel ZERO in Halle 27 können Besuchende das Thema „Zero Waste“ hautnah erleben. Rund 20 Aussteller bieten bunte Einblicke in ressourcenschonende umweltfreundliche Ideen, darunter Re-Use-Workshops, bio-vegane Produkte und nachhaltige Konsumansätze. Die gesamte ZERO-Standfläche von rund 267 Quadratmeter ist mit einem nachhaltigen Messeboden aus sortenreinem Reifen-Gummigranulat von MRH Mülsen ausgestattet.

„Der Boden ist echt angenehm, vor allem, weil wir ja zehn Tage darauf stehen“, sagt Designerin Sigrid Münzberg, die mit Sekundär-Schick Upcycling und DIY-Mode Workshops in Halle 27 anbietet. „Besonders gut gefällt mir, dass der Boden im doppelten Sinn nachhaltig ist“, ergänzt sie. Zum einen besteht die Fläche aus lauter kleinen Puzzleteilen aus Gummigranulat, die bei Messeende wieder auseinander gepuzzelt, gereinigt und für ihren nächsten Auftritt gelagert werden. Zudem haben sie bereits ein erstes Leben als Autoreifen hinter sich.

„Altreifen kannst du tausend Jahre im Garten liegen lassen, die verrotten nicht“, sagt Christina Guth von der Initiative New Life. Ihr Bestreben ist es, Altreifen, die noch zu oft verbrannt werden, im Wertstoff-Kreislauf zu halten. Am Stand direkt gegenüber der Grüne Woche Bühne erklärt sie, wie Altreifen zu Gummigranulat geschreddert und zu Fußböden verarbeitet werden für Fitness-Studios, Sportplätze oder Messehallen. Auch in Pferde-und Kuhställen werden sie genutzt. „Viele Landwirte haben bereits erfasst, dass die Kühe mehr Milch geben, wenn sie weicher laufen“, erklärt Christina Guth. Auch in Seniorenwohnheimen ist der Boden beliebt. Er kann Verletzungen vorbeugen, falls eine ältere Person mal fällt.

Muharrem Batman in seinem Repair-Café auf der Themeninsel ZERO der Grünen Woche

Muharrem Batman in seinem Repair-Café auf der Themeninsel ZERO der Grünen Woche

Autor*in:Ninja Priesterjahn

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