Bayern auf der Grünen Woche: Mehr als Trachten und Trompeten
Mit ihrem Biergarten gehört die Bayern-Halle zu den Highlights der Grünen Woche. Es gibt neben bayrischen Klassikern Honig von Toskana-Urlaubern, Bratlinge von Bio-Pionieren und veganen Schinken.
Jeden Morgen begrüßt eine andere Blaskapelle die Gäste auf der Grüne Woche Bühne in Halle 27. Der „Bayrische Weckruf“ hat Tradition – ebenso wie für viele der Besuch der Bayernhalle 22b ein Muss ist.
Zurecht, denn neben Folkloreshows von Trachtenvereinen und dem großen Biergarten gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Ranjan Bhuyan zum Beispiel stellt zum ersten Mal aus und hat einen veganen Schinken mitgebracht. „Wir legen Tofu aus heimischem Soja in Rote Beete-Saft ein, räuchern und würzen ihn mit Pfeffer und Anis“, erklärt er die Herstellung und reicht ein hauchdünnes Scheibchen zum Probieren. Das Food-Startup Anna Meru hat den Schinken bewusst mit lokalen Zutaten und alpenländischem Aroma entwickelt, nachdem ihr Gründer von Berlin nach Bayern gezogen ist.
Burger vom Bio-Pionier
Einen vegetarischen Burger gibt es am Stand von Soto aus Bad Endorf am Chiemsee. Die Ökopioniere sind bereits seit den späten Achtzigern am Markt und produzieren fast ausschließlich aus regionalen Zutaten. „Erst stellte das Gründerpaar auf seinem Aussteigerhof eigenen Tofu her, dann entwickelten es aus dem Überschuss die ersten Bratlinge“, erzählt Brigit Steiniger aus dem Vertrieb den Beginn der Firmengeschichte. Inzwischen hat Soto 110 Mitarbeitende. Das Sortiment umfasst zahlreiche vegetarische und vegane Schnellgerichte, die das Unternehmen an Kantinen liefert. Es gibt sie aber auch im Kühlregal von Super- und Biomärkten. Für die Falafel kooperiert Soto mit der Öko-Modellregion Würzburg und bezieht seine Kichererbsen von lokalen Anbietern. Die Burgerpatties tragen das strenge Bayerische Biosiegel – die Zutaten kommen zu 87 Prozent aus Bayern.
Auf lokale Produkte setzen auch die Brüder Christian und Leon Schättler. Um ihr Streuobst noch vielseitiger zu verwerten, haben sie vor zwei Jahren den ersten Balsamico hergestellt. Während der Klassiker aus Italien aus Traubenmost hergestellt wird, experimentieren sie mit Obst, das bei ihnen in Unterfranken wächst. So entstanden unter der Marke GRATURO zum Beispiel ein Apfel- und ein Quitten-Balsamico mit einem wunderbar süßlichen Aroma.
Mit Streuobst arbeiten auch die bayerischen Landfrauen. Sie kochen an ihrem Stand ein Apfelchutney und lassen die Messegäste probieren. Ihre Aktion verweist auf den Bayerischen Streuobstpakt, nach dem bis 2035 eine Million neuer Bäume gepflanzt werden sollen. Dass die Ernte verwertet wird, veranlassen die Kommunen. Landfrau Christina Dümmler aus Mittelfranken kann eine ganze Reihe an Apfel-Rezepten aufzählen, von Küchle über Strudel bis hin zu Blootz, einem flachen Blechkuchen.
Toskana-Urlaub für bayrische Bienen
Honig aus gesunder Haltung gibt es am Stand von Bienen Trax. 1.000 Völker haben die Imker aus Oberbayern – und achten sehr auf ihr Wohlergehen. „Schwache Völker bringen wir über den Winter in die Toskana“, sagt Steffen Wilhelm, der am Stand aushilft. Die Imkerei hat auch eine eigene Königinnenzucht. Dafür werden Larven mit Gelee Royal aufgezogen, bis nach etwas vier Wochen die Königin schlüpft und ein neues Volk gründet. Zu den Spezialitäten der Imker gehört neben Spirulina- auch ein Nuss-Honig, entwickelt mit Haselnüssen vom Nachbarn. „Schmeckt wie gesundes Nutella“, ist Steffen Wilhelm überzeugt. Bei den Messegästen kommt es so gut an, dass er bereits Nachschub ordern musste.

Folklore trifft auf Food-Startups in der Bayernhalle.