Blüten-Lollis und Algen-Knäcke aus Nordeuropa
Lange Winter und ein raues Klima verbinden die Länder Nordeuropas. Durchs Baltikum geht es in Halle 8.2 über Schweden bis hinauf ins arktische Norwegen zum Volk der Samen.
Es war ein langer Winter, in dem Agnese Milberga die Idee zu ihren Blüten-Lollis kam. „Ich habe mein Unternehmen Daba rada, was so viel heiß wie ‚von der Natur geschaffen‘, eigentlich mit Fruchtsirup gestartet. Im Winter hatte ich nichts zu tun. Also experimentierte ich mit der Herstellung von Halsbonbons“, erzählt die junge Frau aus dem Süden Lettlands. Die ersten Exemplare waren noch dunkelbraun, doch dann entwickelte sie eine transparente Rezeptur aus Glukosesirup. Erst mischte sie Mohn bei, inzwischen machen getrocknete Blüten ihre Lollis zu kleinen Kunstwerken – und zu beliebten Geschenken an Hochzeiten. In Berlin sind aber nicht etwa filigrane Veilchen der Bestseller. „Gerade Männer sind ganz verrückt nach den Lollis mit Hanfblättern, auch wenn ich ihnen versichere, dass sie keinerlei berauschende Wirkung haben“, sagt sie.
Wer in Halle 8.2 von Stand zu Stand flaniert, der findet Klassiker neben frischen Ideen. Lecker riecht es in Litauen, wo das Restaurant Deftiges aus der Landesküche serviert. Auf der Karte stehen Steinpilzsuppe, gebratenes Roggenbrot mit Käsesoße und das Nationalgericht Zeppeline, ein länglicher, mit Hackfleisch gefüllter Kartoffelkloß. Seine Form ist deutschen Zeppelinen nachempfunden, die im Ersten Weltkrieg als Luftaufklärer über das Baltikum kreisten.
Knackige Kräcker
Weiter geht es nach Schweden. Knäckebrot hat hier eine lange Geschichte. Es half der Bevölkerung mit seiner langen Haltbarkeit durch Hungersnöte und lässt sich aus Getreidesorten zubereiten, die im kühlen Klima gut gedeihen. Skedvi Bröd lebt diese kulinarische Tradition mit einem Werk, einem Restaurant, einer Markthalle und einem Restaurant nördlich von Stockholm. Am Stand können Besucher probieren. Ganz klassisch mit Butter und Käse kann sich der Geschmack der runden Scheiben mit dem Loch in der Mitte am besten entfalten.
Die Gründer der Nordic Seafarm haben diese Tradition aufgegriffen. Sie stellen ein Algen-Knäckebrot her, das ihnen die Gäste der Grünen Woche seit drei Jahren quasi aus den Händen reißen. Das liegt nicht nur am würzigen Geschmack, der zu einer Krabbencreme ebenso gut passt wie zu Nutella. Laut Inhaber Alexander Klimt sind Kundinnen und Kunden von den gesunden Inhaltsstoffen des glutenfreien Snacks begeistert. Omega 3-Säuren gehören ebenso dazu wie Jod und Protein. Der Zuckertang wächst auf einer eigenen Algenfarm und steigert die Biodiversität des Meeres. Am Freitag, 23. Januar 2026, wird er auf der Grüne Woche Bühne einen Köttbullar aus Elch und Alge präsentieren.
Noch weiter nördlich befindet sich die Heimat von Máret Rávdna Buljo. Sie gehört zum Volk der Samen und lebt seine Traditionen bis heute. Hinter einem Stapel Rentierfelle erzählt sie vom Pakt, den ihr Volk mit den Tieren der Legende nach geschlossen hat. „Wir schützen die Rentiere vor ihren natürlichen Feinden wie Wölfen, dafür geben sie uns ihr Fleisch, ihre Knochen, ihr Fell“, sagt sie. Alles wird verwertet, selbst das Gehirn. „Das gebietet der Respekt“, sagt sie. „Auf diese Weise wird das Tier ein Teil von uns.“

Agnese Milberga aus Lettland stellt Lollis mit essbaren Pflanzen im Handarbeit her.