Blumenhalle wird Babylon Garden: Tanzende Zeitreise in die goldenen Zwanziger
Mit Tanz, Musik und schillernden Kostümen entführt die Blumenhalle ihre Gäste in die Vergangenheit. Zwischen Litfaßsäulen und Gartengeschichte wird das Flair der 1920er Jahre lebendig.
Während sich hunderte Gäste vor der runden Bühne in der Blumenhalle tummeln, hat sich Heike Hein einen ruhigeren Platz dahinter gesucht. Die Besucherin der Grünen Woche steht neben den mit rotem Stoff verkleideten Treppen, wippt und lächelt, während sie die professionellen Tänzerinnen von Les Belles Magnifiques beobachtet, die in silbernen Paillettenkleidern mit großen weißen Federn auf dem Kopf ihre Beine durch die Luft schwingen. Die glitzernde Tanzdarbietung ist an den 1920er-Chorus Line angelehnt.
Aber warum finden 20er Jahre-Tänze in der Blumenhalle statt? Zum 100. Jubiläum der Grünen Woche werden die Besucherinnen und Besucher der Blumenhalle hundert Jahre in die Vergangenheit entführt – unter dem Motto "Babylon Garden – Blütezeit der goldenen Zwanziger".
Nostalgisches Shopping und historische Gartengeräte
Eine Litfaßsäule weist auf Produkte und kulturelle Veranstaltungen hin, zum Beispiel auf die Grüne Woche vom 20. bis 28. Februar 1926 in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm. Nostalgische Fassaden und Schaufenster laden zum Bummeln im detailreich gestalteten Kaufhaus KaDeFleur ein. An der Bar Botanica können Besucherinnen und Besucher bei Bauerneintopf, Linsen, Kaffee und Kuchen pausieren, sich bei „Madame Blume“ ihre Zukunft vorhersagen lassen und darüber nachdenken, ob sie im Kabarett „Rhino Rouge“ ein tanzendes Nashorn besuchen möchten.
Über 30 Bäume, mehr als 35.000 Frühblüher, 500 Quadratmeter Rollrasen und ein Springbrunnen verwandeln die Halle 2.2 in eine grüne Oase mit urbanem Charakter. Der Zentralverband Gartenbau e.V. präsentiert den deutschen Gartenbau im Wandel der Zeit. Historische Exponate aus dem Deutschen Gartenbau Museum vermitteln ein Bild früher gärtnerischer Praxis: zu sehen sind unter anderem ein Uhrenwerkregler, der ressourcenschonend beregnet hat, frühe Tropfbewässerungssysteme sowie historische Lehrbücher und eine „Reichsgebrauchsmuster“- eine geschützte Handspritze, die der Ausgangspunkt war für Debatten um Risiken und Regulierung chemischer Pflanzenschutzmittel.
Tanzen als Ausdruck von Lebenslust
„Die Halle ist richtig toll gemacht. Die Tanzaufführung war für mich ein persönliches Highlight, ich schaue unglaublich gern Tanzen an“, sagt Besucherin Heine Hein. In den 1920er Jahren wurde Tanzen zu einem Ausdruck von Freiheit, Aufbruch und urbaner Lebenslust – besonders in den pulsierenden Metropolen wie Berlin, das in der Weimarer Zeit oft als „Babylon“ der Dekadenz bezeichnet wurde. Hier trafen sich Menschen aus allen Schichten, um in Jazz- und Charleston-Rhythmen die strengen Konventionen der Vorkriegszeit hinter sich zu lassen. „Das passt auch sehr gut ins heutige Zeitalter. Ich liebe die Philosophie dieser Tänze, der Stil ist sehr frei, es gibt keine Fehler, außerdem ist es sehr divers“, sagt Tänzerin Claire Chen. Sie tritt mit ihrer Gruppe am Samstag, 24. Januar nochmal in der Blumenhalle auf.

Die Tänzerinnen hauchen der Blumenhalle das Flair der goldenen 20er Jahre ein.