Veranstalter:
Messe Berlin
Datum der Veranstaltung:
16-25 Jan 2026
Grüne Woche
16-25 Jan 2026
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EU-Agrarkommissar Hansen zieht Bilanz

Christophe Hansen zieht auf der Grünen Woche Bilanz seines ersten Amtsjahres. Im Fokus: Einkommen der Landwirte, die Zukunft der GAP, Herkunftskennzeichnung und der direkte Dialog mit der Praxis.

EU-Agrarminister Christophe Hansen im Interview vor einer Pressewand der Grünen Woche

EU-Agrarminister Christophe Hansen im Interview. Foto: Messe Berlin

In seinem Einstiegsstatement zur Pressekonferenz am 15. Januar 2026 zog EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung Christophe Hansen eine Bilanz seines ersten Amtsjahres. Die Pressekonferenz fand am Donnerstag im Berliner Pressezentrum kurz vor der offiziellen Eröffnung der Grünen Woche statt.

Grüne Woche als Schaufenster der Agrar- und Ernährungswirtschaft

„Für mich ist es eine große Ehre, in dieser wunderbaren Veranstaltung der Grünen Woche in Berlin teilnehmen zu dürfen. Wir sind hier wieder auf einer der größten Landwirtschaftsmessen in Europa und in der Welt. Diese Messe trägt dazu bei, die harte Arbeit unserer Landwirte bei der Erzeugung unserer Lebensmittel in den Fokus zu rücken. Aber es geht nicht nur um die Landwirte, es geht um den ganzen Wirtschaftszweig der Lebensmittelproduzenten und alles, was damit zusammenhängt.“

Seit 2024 ist Christophe Hansen EU-Agrarkommissar und trägt unter anderem Verantwortung für Ernährungssicherheit, Einkommen der Landwirte und die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Diese Verantwortung habe er im vergangenen Jahr sehr bewusst vor Ort wahrgenommen. „Der Dialog steht für mich in meiner Arbeit im Mittelpunkt und deshalb bin ich auch im ersten Jahr meines Mandats in die 27 Mitgliedstaaten gereist – nicht nur in die Hauptstädte, um die Politiker zu treffen, sondern insbesondere auch um von den landwirtschaftlichen Vertretern aus den Betrieben und in den ländlichen Räumen aus erster Hand zu erfahren, welchen Herausforderungen sie begegnen und welche Zukunftsoptionen es gibt.

GAP, Einkommen und die Frage: Bei wem kommt das Geld an?

Einen Schwerpunkt legte Hansen auf die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik. Mit Blick auf den im Juli vorgelegten Haushaltsvorschlag stellt er klar: „In der künftigen GAP wird die Einkommensstützung für Landwirte gesichert und garantiert sein.“ Insgesamt stünden inzwischen knapp 400 Milliarden Euro für Landwirtschaft und ländliche Räume zur Verfügung, ergänzt durch Mittel aus dem Wettbewerbsfähigkeits- und Forschungsfonds.

Mit Blick auf die Ausgestaltung der Förderinstrumente betont er: „Das Ziel ist, dass das Geld bei den Landwirten ankommt, die effektiv produzieren. Aktuell kommt es noch oft bei dem an, der das Land besitzt.“ Er verwies dabei auch auf den zunehmenden Einstieg externer Investoren in landwirtschaftliche Flächen, die selbst keine Landwirtschaft betreiben. Im Interview mit der Messe Berlin betonte er zudem die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft: „Frauen machen 40 Prozent der Arbeitskräfte aus. Aber sie haben es schwerer.“ Er erzählte von einer schwedischen Landwirtin, die ihm den Begriff „Kids or Cow“ nahegebracht habe: Kinder oder Kühe. Damit meinte sie, dass sie sich zwischen Kinderbetreuung und Arbeit entscheiden müsse, weil die nächste Kita eine Stunde von ihrem Landwirtschaftsbetrieb entfernt gelegen sei. „Da gibt es viel Nachholbedarf“, sagte Hansen. Die Vereinten Nationalen haben 2026 zum internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ernannt.

Woher kommen die Chicken Nuggets?

Zur Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln positionierte sich der EU-Kommissar klar europäisch. Verbraucher müssten wissen, woher ihre Lebensmittel stammen, insbesondere bei stark verarbeiteten Produkten. „Ich nehme mal das Beispiel von einem Chicken Nugget, das essen meine Kinder ziemlich gerne. Sie können herausfinden, wo es produziert wurde, aber ob das jetzt deutsches, luxemburgisches, ukrainisches oder brasilianisches Hähnchenfleisch ist, das wissen sie nicht. Das finde ich problematisch. Bei einem Produkt, das größtenteils aus Fleisch besteht, möchte ich, dass zumindest draufsteht, ob es europäisches Fleisch ist. Gleichzeitig warnt er vor einer zu kleinteiligen Kennzeichnung. „Ich will jetzt aber nicht, dass wir jetzt anfangen, überall Baden-Württemberg, Brandenburg, Bayern oder Luxemburg draufzuschreiben“, sagte er. Eine Übergranularisierung gefährde den Binnenmarkt, der weiterhin großes Potenzial habe. „Ich bin da überzeugter Europäer“, sagte er.

Abschließend betonte Hansen seine Bemühungen um Bürokratieabbau, fairere Handelsbedingungen und schnellere Zulassungen für Alternativen zu klassischen Pflanzenschutzmitteln. Der direkte Austausch mit den Landwirten auf der Grünen Woche sei ihm dabei besonders wichtig.

Autor*in:Ninja Priesterjahn

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