Mit 101 über die Grüne Woche und schon Pläne fürs nächste Jahr
Als Ingeborg Wegner geboren wurde, gab es die Grüne Woche noch nicht. Die 101-jährige Berlinerin schlenderte am Donnerstag über die Messe – mit wachem Blick, trockenem Humor und vielen Erinnerungen.
Als Ingeborg Wegner geboren wurde, gab es die Grüne Woche noch nicht. Diesen Satz muss man vielleicht zwei Mal lesen. Wer die liebevoll gestaltete Ausstellung „100 Jahre Grüne Woche“ in Halle 26a besucht, bekommt eine Ahnung von der umfassenden Historie der Messe. Und dann steht da diese drahtige Dame mit den funkelnden Augen, die – locker und ohne ihren Rollator zu benötigen – vor dem Tulpenbeet in der Blumenhalle für Fotos posiert und auf noch mehr Lebensjahre zurückblickt als die Grüne Woche.
Mit der Mutter in der Blumenhalle – eine Tradition über Generationen
Ingeborg Wegner ist 1924 geboren. Sie wird im Sommer 102 Jahre alt und war schon mit ihrer Mutter auf der Grünen Woche. „Meine Mutter hat die Blumenhalle geliebt. Sie hat sich dort immer eingedeckt mit Blumenzwiebeln, Samen oder Pflanzenmitteln. Und sie hat gern die Vorträge zur Garten- und Pflanzenpflege angehört“, erzählt Ingeborg. Deshalb startet ihr Messerundgang am Donnerstag auch in der Blumenhalle.
Die 101 Jahre alte Charlottenburgerin stellt viele Fragen zu den Pflanzen, der Bewässerung und erinnert sich noch, dass es einmal so kalt war, dass sie die exotischen Blumen, die sie auf der Grünen Woche gekauft hatte, in Zeitungspapier einschlagen musste, damit sie bis zu Hause überleben. Nach der Blumenhalle soll es eigentlich in die Markthalle zum Street Food gehen, aber Ingeborg Wegner hat sich spontan umentschieden: „Wäre es möglich, die Tierhalle zu sehen?“, fragt sie.
Zwischen Tierhalle und Berliner Currywurst
Tochter Kathrin Rode, die ihre Mutter beim Rundgang begleitet, lächelt. „Wir waren früher als Familie oft hier. Ich war immer für die Tierhalle, Oma für die Blumenhalle und meine Mutter für das Essen“, sagt Kathrin Rhode. In der Tierhalle erfreut Ingeborg Wegner sich an den kleinen schwarzen Schafen, bestaunt die Größe eines kräftigen Muli und sagt beim Anblick zweier Esel trocken: „Ach, die sind süß. Zweibeinige Esel haben ich in meinem Leben ja schon einige gesehen.“
Weiter geht es in der Berlin-Halle. Dort erzählt Ingeborg Wegner von ihrem Beruf als Direktionssekretärin der Gewobag. „Ich habe immer gern gearbeitet. So einen Nebenjob auf der Messe hätte ich aber auch gerne mal gemacht“, sagt sie. Auf die Frage, wer eine Currywurst möchte, hebt die 101-Jährige beschämt grinsend den Arm. „Ich esse alles. Mir schmeckt leider auch alles. Und wenn mich jemand fragt, ob ich noch etwas möchte, dann möchte ich immer noch etwas“, sagt sie. Nach der Currywurst von Curry 36 probiert sie die bunt dekorierten Cup Cakes von Tigertörtchen und genießt einen Espresso.
Spitzenqualität aus Holland – und ein guter Grund weiterzuleben
Während des Rundgangs erzählt sie eine ganz persönliche Messe-Geschichte: „Oh bitte nicht“, sagt Tochter Kathrin Rohde und dreht sich lachend und etwas errötend zur Seite. Doch Mama Ingeborg lässt sich nicht aufhalten. Sie berichtet, wie sie mit der damals vier Jahre alten Kathrin am Stand der Niederlande vorbeiging. Tänzerinnen in traditionellen Kostümen, mit Spitzen-Hauben und den berühmten Klompen an den Füßen bewarben die heimischen Produkte, indem sie ihre Röcke hin und herschwangen und sangen: „Spitzenqualität aus Holland!“
Ingeborg lacht. „Abends stand Kathrin in der Badewanne, wackelte hin und her und sang ebenfalls: Spitzenqualität aus Holland.“ Dieser Spruch wurde in der Familie zum geflügelten Satz und stets gesungen, wenn jemandem etwas begegnete, das aus den Niederlanden kam. Nach dieser Geschichte müsste eigentlich ein Besuch in Halle 18 folgen, doch die Zeit wird knapp und Ingeborg Wegner sagt: „Das reicht jetzt auch. Die Holland-Halle hebe ich mir für nächstes Jahr auf. Ein Grund für mich, noch ein Jahr länger zu leben.“

Die 101-jährige Ingeborg Wegner und Bereichsleiterin Daniela Stack auf ihrer Tour über die Grüne Woche 2026